BJORN BERGE/ TOBIAS HAUG QUARTETT/ LUZ Y SOMBRA feat. NICOLAS LARTAUN/ TRANSORIENT ORCHESTRA/ MUITO KABALLA POWER ENSEMBLE

Etwas Polemik vorweg. Auf die Frage, warum internationale Sportereignisse (EM, F1) ausgerechnet auch in Baku stattfinden, kennt sicher ein Teil der CDU/CSU Fraktionen in Bundestag und Euro-Parlament zahlungskräftige Argumente. Und noch einer: Autoarme oder autofreie Innenstadt kann nicht einfach verordnet werden. Sollte und muss jede/r sich klar machen und vernunftgesteuert ihren/seinen Teil beitragen.

Musik gibt’s heute auch. ‚Gauge‘ bezeichnet nach meinem Wissen in diesem Zusammenhang die verwendete Saiten-Stärke. BJORN BERGE nennt sein neues Album „Heavy Gauge“. Das lässt Schlüsse auf den Inhalt zu, und richtig vermutet, seinen Blues basierten ‚heavy‘ Rock im Trio mit Bass und Drums intoniert er auf der ‚aufgerüsteten‘ Akustik-Gitarre. Zwischendurch mit Folksong-Motiven aufgelockert, mit ‚wah wah‘ Tönen auf jahrelanges handwerkliches Training hinweisend und auch im Genre Folk-Blues im Alleingang überzeugend zuhause.

Tobias Haus Quartett – Zeitlos elegant

Auch mal ganz schön. Eine ‚traditionelle‘ Modern Jazz CD. Das TOBIAS HAUG QUARTETT klingt stark nach den ‚grossen‘ Blue Note (etc.) Alben der 60er. Mit dem Alt-Sax (mehr Adderley als Sanborn!) setzt der Bandleader die Themen, Melodien, Improvisationen; Rhythmusgruppe und Piano swingen raffiniert, setzen Akzente mit gekonnten Einlagen und machen „Empty Streets“ aus meiner Sicht zu einer ungenannten Hommage an Cannonball und, ja sogar den Duke. Zeitlos elegant!

Ebenso in und aus der Tradition klingt „Chiquilin“, dargeboten vom Damentrio LUZ Y SOMBRA mit Violine, Klarinette und Klavier. Ergänzt um den Bariton NICOLAS LARTAUN. Tango in etwas anderer Instrumentierung mit einem klassisch ausgebildeten Sänger. Weniger ausgerichtet am Bedarf von TänzerInnen, als vielmehr an Kammermusik in den Strukturen dieser weiterhin äusserst populären Musikform. Zwar stammt nur der Sänger aus Argentinien, aber trotzdem ist alles drin, was an diesen Klängen fasziniert: Pathos, Drama und Leidenschaft.

Transorient Orchestra – Filigrane Feinarbeit

Nicht so eindeutig zuordnen lässt sich die Musik des TRANSORIENT ORCHESTRA . Ausgerüstet mit 3 Bläsern, Bass, Drums/Perkussion, 2 Violinen, Santur und Oud. Im Verbund mit dem Projektnamen startet sofort die Fantasie. Ja, sie mischen orientalische Klänge und Spielweisen mit Arrangements und Rhythmen aus dem Jazz. Dabei spielen die Bläser vorwiegend im Satz, die Saiten-Instrumente gestalten die Themen, die sowohl auf überlieferten Harmonien als auch auf eigenen Kompositionen basieren und die handgespielte Perkussion webt einen dichten Teppich darunter. Ganz erstaunlich wie wenig fremd morgenländische Tonfolgen klingen, wenn sie von abendländischen Bläsern wiedergegeben werden.

Muito Kaballa Power Ensemble – So heiss wie das Wetter

Sein Debut MUITO KABALLA produzierte Niklas Münstermann im Alleingang. In der Zwischenzeit ist die Combo auf das 9 Personen POWER ENSEMBLE angewachsen. Entsprechend ist die musikalische Mischung für „Mamari“ breiter und bunter geworden. Dominierend bleiben afrikanische Rhythmen, ergänzt um Latin Feeling. Mit den 3 Bläsern klingt der amtliche Afro Beat deutlich nach Fela, wobei die Sängerin dem ‚ach das‘ mit beachtlichem Einsatz den Wind aus den Segeln nimmt, bei den mehr an Mulatu’s äthiopischen Jazz erinnernden Tracks wirkt das Ensemble absolut homogen, trifft stilsicher den Tonfall anderer Rhythmen des Kontinents und scheut auch vor den dazu gehörenden politischen Statements nicht zurück. So heiss wie das Wetter in Woche 24.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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