SALVADOR SOBRAL/ BUJAZZO/ CRUSHED VELVET AND THE VELVETEERS/ MARIDALEN/ TUVABAND

Salvador Sobral – Melancholie und Jazz

Nicht oft, wenn überhaupt, habe ich hier Worte zur neuen Platte eines ESC Gewinners verloren. Es war 2017, der Sieg war eine echte Überraschung, passte seine Musik doch nicht wirklich in diesen Rahmen. Auch für sein 3. Album bleibt SALVADOR SOBRAL seiner Vorliebe für Jazz treu. Die Geschichten aus seinem Leben trägt er vor mit zarter Stimme zu einer Band, die ihre Farben aus portugiesischer Tradition, geschmeidigen Harmonien und jazziger Improvisations-Kunst plus dezent eingesetzten Gitarren-Riffs bezieht. Im Unterschied zu den Vorgänger-Alben hat er hier fast alle Songs selbst geschrieben und mit Partner Leo Aldrey in abwechslungsreiche musikalische Gewänder gepackt. So ist „BPM“ eine sehr gelungene Mischung aus heimatlicher Melancholie, einer Dosis Pop und einem gesunden Anteil Jazz geworden, die umso mehr gewinnt je weiter die Sonne untergeht.

Zusammen mit seinen SängerInnen, die nicht auf allen Titeln vertreten sind, zählt das BUJAZZO auf seinem „A Tribute to the Clarke-Boland Big Band“ fast 40 Mitglieder. Mit seinem jugendlichen Elan, unter Leitung von Jiggs Whigham, haucht es den komplett durchkomponierten Werken und Adaptionen dieses legendären Orchesters der frühen 60er maximal swingendes Leben ein. Fast alle 14 Titel entstammen dem Great American Songbook, die raffinierten Arrangements (bis auf 2) aus der Feder des belgischen Co-Leaders. Im Unterschied zu den meisten Gross-Combos sind bei Herrn Boland selbst die solistischen Einlagen vorkomponiert, was nicht nur an die MusikerInnen höchste Anforderungen stellt, sondern den HörerInnen einen unbedingt harmonisch swingenden Gesamtklang bietet.

Crushed Velvet.. – Crushed Velvet & The Velveteers

Rassige Bläser gibt’s hier auch, die Rhythmusspuren setzen sich jedoch aus seit den 60ern populären Beats aus Funk and Soul zusammen. Für sein Album „Love and Truth“ hat Alan Evans, Mitbegründer der US-Band Soulive, nicht nur das Pseudonym CRUSHED VELVET AND THE VELVETEERS gewählt, sondern sich auch die Unterstützung bestens trainierter Stimmen dieses Musik-Sektors und eine ausgebuffte Horn- Section ausgesucht. Auf 8 Tracks weckt er positive Erinnerungen an den Soul aus Detroit, Chicago, Memphis oder New York, nicht ohne dabei auf zeitlos moderne Produktionsweisen und Klangvorstellungen zurückzugreifen. Anspieltipp: ‚GoodThing‘ mit der überzeugenden Kim Dawson und Versatzstückchen von James Brown und den Temptations.

Maridalen – Nordisch by Nature

MARIDALEN nennt sich das Trio ohne Schlagzeug, mit Sax, Trompete und Bass. Schon nach den ersten Takten erkenne ich nordische Melancholie, und dieser widmen sich die 3 Herren Anders Hefre, Jonas Kilmork Vemoy und Andreas Rodlland Haga in unterschiedlichen Ausprägungen. Dabei verzichten sie auf jegliche solistischen Ausflüge, tragen die Themen in langsamen unisono Passagen vor, lassen dabei die Tonfolgen schweben und erzeugen meditative Stimmungen. Wenig experimentell? Ja, aber ist es nicht schon gewagt zu versuchen, ganz ohne solistische Höchstleistungen, praktisch nur mit dem gemeinsamen Klang HörerInnen zu hypnotisieren?

Ebenfalls ziemlich typisch nordisch, aber ganz anders umgesetzt. Sängerin/Komponistin Tuva setzt ihre Gefühle mit der TUVABAND in eher zarte Songs um, die sich zaghaft in die Gehörgänge schleichen. Das klingt mal etwas nach Folk, meist aber, wegen des detailverliebten Sounds mehr nach dem, was nach konventionellem Rock folgt. Mit heller Stimme führt sie die HörerInnen durch ihre offen gelegten Seelenlandschaften und versucht damit ihren irrationalen, vagen Ängsten zu entkommen. Nordischer Optimismus klingt anders.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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