DEXTER GORDON QUARTET/ BEADY BEAST/ PORTICO QUARTET/ MASAYOSHI FUJITA/ MIKE ZITO

Dexter Gordon Quartet – Episches Dokument?

Frauen und Kinder zuerst? Nein, heute mal alte Männer, die z.T. bereits nicht mehr unter den lebenden weilen. Auf dem Montreux Jazz Label erschien gerade der Mitschnitt vom 4.3. 1978 des Konzerts des DEXTER GORDON QUARTET . „Willisau 1978“, so der Titel, zeigt die Formation in famoser Spiellaune und den Saxofonisten in blendend einfallsreicher Form. Die 70 Minuten Laufzeit verteilen sich auf nur 5 Titel, in denen die vier Musiker Gelegenheit haben alle Register zu ziehen. Angefangen beim auch in temporeichen Sequenzen immer warm-weichen Ton des Leaders, der in seine Läufe gern mal Fragmente anderer Songs einbaut, bis zur kompakten Rhythmusgruppe mit G. Cables (p), R.Reid (b) und E. Gladden (dr), die nicht nur fulminant swingt, sondern auch mit solistischen Einlagen zu glänzen versteht. Dieses Quartett zählt sicher zu den Höhepunkten seiner Karriere, wunderbar, dass dieses Kleinod aus dem Archiv des Schweizer Rundfunks jetzt den Weg zu geneigten Fans finden kann.

Mehr Schweiz! Einer schon sehr lange (Christy Doran), der andere (Franz Hellmüller) nur lange auf dem Jazz-Parkett unterwegs. Beide spielen Gitarre, meist elektrische, im Projekt BEADY BEAST treffen sie sich als akustisches Duo. In 9 eigenen Kompositionen loten sie Klänge, Rhythmen, Harmonien und Zusammenspiel aus, durchschreiten unterschiedlichste Tempi, finden ungewöhnliche Akkorde und bleiben durchweg bei stressfreien Melodien. Lyrische Passagen gelingen ebenso überzeugend wie beinahe rockende Riffs, flitzefingern können sie auch auf „On the Go“, allerdings nicht zu Demonstrationszwecken und nicht zu Unrecht rauscht die allseits bekannte Freitagnacht in San Franzisco durch meine Assoziationskette.

Portico Quartet – Minimal genial

Die Musik des PORTICO QUARTET lässt sich auch mit dem neuen Werk „Terrain“ nicht so einfach in eine Schublade packen. Ausgeführt als 3-teilige Suite mit knapp unter LP-freundlicher Länge mäandern sie durch ambiente Landschaften. Das Hang legt ein kurzes rhythmischen Motiv vor, das die anderen Instrumente aufgreifen, verzieren und fast schweben lassen. Eher wenig durchkomponiert als vielmehr improvisiert auf einer vorgegebenen Basis. Saxofon, Synthies, Streicher in vorsichtiger Dosierung schaffen den harmonischen Hintergrund, vor dem das stählerne Führungsinstrument und die zarte Schlagzeug-Begleitung als Taktgeber für die Trance-artige, perfekt gelungene Soundcollage dieses Werks dienen. In bester Tradition des amerikanischen Minimalismus, auch wenn es aus UK stammt.

Jetzt wird es richtig chillig. MASAYOSHI FUJITA ersetzt sein metallenes Vibrafon durch etwas Vergleichbares aus Holz, die Marimba. Und ist offensichtlich fasziniert von dem nicht vergleichbaren Klang. Den geniesst er ausgiebig, hinterlegt ihn zart mit elektronischen Effekten, gelegentlich gar mit so etwas wie Rhythmus. Mit Hallschleifen, verfremdeten Sounds und Störgeräuschen ergänzt er auf „Bird Ambience“ den Klang der Marimba und lässt jeden Ton maximal wirken. Beruhigungsmittel durch die Ohren.

Mike Zito – Blues ist die Basis

Und jetzt mal gerade und eindeutig. MIKE ZITO , Sänger und Gitarrist legt mit „Resurrection“ sein diesjähriges Album vor. Mit kompakter Band (b, dr, keys) geht es von Beginn an geradeaus vorwärts, statt tiefsinniger Texte griffig Formuliertes aus dem eigenen Erfahrungsschatz. Der Blues ist die Basis, auch wenn er die üblichen 3 Takte nur selten bemühen muss, sein Markenzeichen ist seine Technik, ob Slide, in Akkorden oder ausdrucksstarken Soli. Und Balladen kann er auch! Dagegen klingt Billy Gibbons fast einfallslos.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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