K.C. JONES/ HOTEL BOSSA NOVA/ LANCY FALTA/ IPEK YOLU

Mit dem Wetter zu beginnen ist einigermassen unverfänglich. Ich hätte gern noch 4 Wochen westfälischen Sommer wie etwa Juli gehabt. Aber pünktlich um den August-Flohmarkt auf der Promenade (der ja nicht stattfindet) startet der Herbst sagt meine Erinnerung.

„Queen of the Inbetween“ beginnt als klassische Country Platte, passend instrumentiert und intoniert. Ab Titel 4 mutiert K.C. JONES‘ Debut über emotionales Songwriting zu leicht psychedelischen Klängen, wegen derer ihr Werk auch in der ‚Americana‘ Sektion positive Wertschätzung erfahren dürfte. Im Grunde einfache Strickmuster, die von ihrer (leider komplett ungenannten) Band in überzeugend bodenständige, im Kopf lange nachhallende, ergreifende musikalische Botschaften verwandelt werden. Dazu kommen noch Kelli’s stimmliche Fähigkeiten und die Klasse und Vielseitigkeit ihres Gesangs. Vorurteil nach 4 Tracks über Bord.

Hotel Bossa Nova – ..werden immer besser

Musikalische Vielfalt und handwerkliche Qualitäten waren schon auf den 7(!) Vorgänger-Studio-Alben das Markenzeichen von HOTEL BOSSA NOVA . Knapp 4 Jahre nach dem letzten Album stellen sie sich noch breiter auf. Bossa Nova ist nur noch ein kleiner, wenn auch wichtiger, Baustein für den spezifischen Sound der Band. Immer mehr Zutaten würzen den einzigartigen Stil des Quartetts aus b,dr,g und Gesang, der für „Cruzamento“ lediglich um den zukünftigen Drummer, hier als Perkussionist, und auf 4 Titeln um Piano bzw. Hammond ergänzt wird. Die (Sound-) World is my Oyster, sagte schon Frankie g.t.H, und entsprechend diesem Motto bedienen sich Hotel Bossa Nova an allem, was sich in das selbstgestaltete Klangbild integrieren lässt. Komplexe Rhythmen, harmonische Finessen und rhythmische Tücken werden mit lässiger Eleganz ausgeführt und mit der sich ständig verbessernden Sängerin als 14 kleine, eingängige ‚Kunst‘-Stückchen serviert. Kompliment!

Lancy Falta – Ausnahme-Talent

Was lange währt…. könnte ich sagen. Begonnen wurden die Aufnahmen für „Lancy Lot“ bereits 1992. Jetzt fertiggestellt mit hochkarätigen Begleitern (C. Benavent am Bass, A. Acuna Drums und Koono an den Tasten) zeigt Gitarrist LANCY FALTA seine Vorstellung von Jazz-Rock. Ob spanisch inspiriert mit akustischer Gitarre oder elektrifiziert belegt der aus der Reinhardt Familie stammende Lancy, dass er längst dem ‚puren‘ Gypsy Jazz entwachsen ist, seine Fähigkeiten sich nicht in Finger-Artistik erschöpfen, sondern auch komplexe Songstrukturen und Arrangements zustande bringen. Kein modischer Schnickschnack, eher die Fortsetzung des ‚Gitarristen-Jazz‘ von z.B. di Meola oder Metheny.

Ipek Yolu – Fantastischer Mix

Eine ausgesprochen spannend unterhaltsame Mischung präsentiert das in Dänemark ansässige Ensemble IPEK YOLU . Auf dieser ‚Seidenstrasse‘ (der Projektname übersetzt) transportiert es nicht nur Düfte und Klänge Asiens nach Europa, sondern genauso Rhythmen und Instrumente anderer Kontinente. Die orientalischen Sounds von Saz oder Handtrommeln versieht es mit Cumbia, Afro-Beat, psychedelischen Momenten und Harmonien aus Pop und Rock. „Tropical Anatolia“ ist in diesem Fall nicht nur Album-Titel sondern begeisternd umgesetztes Programm. Anatolische Volksmusik integriert in südamerikanische oder afrikanische Rhythmik, die Gitarre im Windschatten von elektrischer oder akustischer Baglama, statt Drums ein vielhändiger Rhythmusteppich, gelegentlich unterstützt von Beats und Sounds aus der Dose und dann und wann eine Spur Surf-Feeling. Grosser Wurf meine Herren!

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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