Von Günter

CHRISTINA PLUHAR & L’ARPEGGIATA/ OLGA SCHEPS/ MATTHIAS BERGMANN/ VIDAR BUSK/ THE ORIGINALS/ LEVITATION ORCHESTRA

Die ersten beiden dieser Woche überschreiten meine musikalische Kompetenz, was mich jedoch nicht davon abhält, sie mit Begeisterung zu hören. CHRISTINA PLUHAR & L’ARPEGGIATA veröffentlichen eine Doppel CD mit Melodien, Liedern, Gesängen aus Neapel. Suchen, entdecken, aufführen, dafür ist dieses Ensemble schon lange ein Begriff. Auf ‚Alla Napoletana‘ gibt‘s lange verschollene Kantaten, feurige Tarantellas und nicht zuletzt Arien, für die 8 SängerInnen unterschiedlichster Stimmlagen eingeladen wurden. Die dynamisch aufspielenden 13 MusikerInnen, durchleuchten das Musikschaffen der letzten beiden Jahrhunderte und zeigen die vielen Facetten dieser Musik-Hochburg. Nicht nur für Barock-Fans ein Leckerbissen.

Ganz allein spielte OLGA SCHEPS ihr ‚Family‘ Album ein. 19 nicht zu lange Werke für Piano solo. Aus dem klassischen Repertoire, aber ebenso für das Klavier arrangierte Themen bekannter Filme und speziell für diesen Anlass komponierte Stücke von Chilly Gonzales und van Deylen aka Schiller. Wunderbar ruhige Klänge neben temporeichen Variationen, handwerklich perfekt und mit viel Herzblut umgesetzt. Nicht nur für die Feiertage.

Matthias Bergmann – Runder, warmer Ton

Für den geschmeidigen Übergang zu elektrifizierten Klängen empfehle ich jetzt die CD „Pretend it’s a City“, die Trompeter MATTHIAS BERGMANN mit Hanno Busch,g, Cord Heineking,b, und Jens Düppe,dr eingespielt hat. Dazu gesellen sich auf 2 Titeln Bassklarinette, Rhodes Piano und akustische Gitarre. In fein abgestimmtem Zusammenspiel bieten die Herren ausgesprochen rund klingenden modernen Jazz. Trotz ausführlicher Solo-Arbeit der Beteiligten klingt das nicht nach Experiment, vielmehr nach präziser Disziplin, die die instrumentalen Ausflüge passend im vorkomponierten Rahmen hält. Stimmungsgebend bleibt dabei der warme Ton des Namensgebers.

In seiner Heimat Norwegen ein gefeierter Star, hier eher unentdeckt geblieben, ist VIDAR BUSK . Der Gitarrist und Sänger liefert mit seinen ‚True Believers‘ ein extra schwungvolles und vielseitiges Blues Album ab. Nach 15 Jahren Pause mit dieser Formation ist auf ‚The civilised Life‘ alles vorhanden, was eine rockende Blues-Platte braucht. Reibeisenstimme, Hammond, Harmonika und der austrainierte Mann an der Gitarre. Ob britisch angerockt, Juke Joint, Rockabilly-Einschlag oder New Orleans Stimmung, nach langem Aufenthalt in USA kriegt er das alles in ein passendes Set. Tausche meine letzten drei Bonamassas gegen diese hier.

The Originals – 14 neue Variationen Soul

„THE ORIGINALS“ ist der Sampler betitelt. Das Label Golden Rules versammelt hier 14 VertreterInnen der aktuellen Soul/Funk Szene. Nicht die Goldkettchen-Fraktion, alles SängerInnen und Bands, die die Musik selbst erfinden und erzeugen. Ohne zu kopieren scheinen viele Vorlieben durch, Harmonien von Curtis, dezente Streicher à la Marvin, psychedelisches nach dem Muster von War, sowohl instrumental als auch überzeugend gesungen (Gizelle Smith!). Grandioser Überblick über eine ausgesprochen lebendige Szene.

Levitation Orchestra – Hochkreative Mischung

Zum Schluss eine echte Herausforderung. Das LEVITATION ORCHESTRA bietet auf seinem Zweitling „Illusions & Realities“ eine hochkreative musikalische Mischung. Von schwebendem Spiritual Jazz über Spoken Word Attacken auf komplexem Rhythmus zu progressivem Rock in bester King Crimson (von denen gerade wieder Neues erscheint) Manier und jazzigen Improvisationen, das 13 köpfige Orchester erfindet sich permanent neu. Dabei wird nichts dem Zufall überlassen, Streicher, Bläser, Gitarre, Bass, Drums kriegen ihren Raum und ihre Chance und selbst die Harfe geht nicht unter. Dabei auch noch hervorragend klingend auf CD und Vinyl gebannt.

Archivtexte Ohrenschmauch

GünterGünter

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