Von Günter

NORAH JONES/ TILL BRÖNNER/ IBRAHIM MAALOUF/ PAUL WERTICO/JOHN HELLIWELL PROJECT/ ESPOO BIG BAND/ CURD DUCA

Alle Jahre wieder… noch gut 3 Wochen Countdown bis zum ‚Konsum Highlight‘ des Jahres. Und wie in fast jedem Jahr steuere auch ich meinen Teil dazu bei. Neue X-mas Musik für die Tage, an denen ausser dem Netz fast nichts geöffnet ist. Ich habe mir keinen Überblick verschafft, sondern erwähne 3 mehr oder weniger zufällige Begegnungen.

NORAH JONES verwendet für ihr bereits rundum gelobtes Werk „I dream of Christmas“ nur zur Hälfte Traditionelles, ergänzt um eine Handvoll eigener Ideen. Wohltuend entspannt.

Till Brönner – wg. ‚Alle Jahre wieder..‘

TILL BRÖNNER hat mit „Till Christmas“ bereits sein 2. Weihnachtsalbum auf dem Markt. Nicht loungig elegant wie der erste Versuch, sondern im 3er mit Piano und Bass eingespielt. 12 allseits bekannte Titel, jedoch sparsamst und mit grosser Ruhe umgesetzt. Er reduziert die Arrangements aufs Minimum, verzichtet auf Schnörkel und Bombast, weshalb das Trio mit Frank Chastenier und Christian von Kaphengst eine fast kammermusikalische Stimmung erzeugt. Mit Gastsänger Max Mutzke auf 1 Track.

Ebenfalls Trompeter, ebenfalls minimal arrangiert, lediglich ein harmonierendes Piano, etwas Gitarre und gelegentlich dezente Chorstimmen, so gestaltet IBRAHIM MAALOUF sein „First Noel“. Während Till’s Platte bereits nach 12 Titeln vorbei ist, kommt Ibrahim auf 28 Tracks. X-mas Songs aus diversen Jahrzehnten und Ländern, alle wohlbekannt, respekt- und geschmackvoll intoniert und sicher nicht nur für diese Saison eine gute Wahl.

Übrigens bin ich sicher, dass keine von diesen 3en in der üblichen Elektro- bzw. Supermarkt- oder gar Weihnachtsmarkt-Beschallung stattfinden wird.

Wertico/Helliwell Project – Herzensangelegenheit

Wohlklingend, dabei durchaus auch mal laut musiziert das PAUL WERTICO / JOHN HELLIWELL PROJECT mit den Namensgebern an Drums und Sax, dazu Raimondo Meli Lupi, git, und Gianmarco Scaglia, Kontrabass auf seiner gemeinsamen Herzensangelegenheit, den „Bari Sessions“. An einem Tag, nur 1 Take pro Titel, aufgenommen, zeigen diese 4 Herren, die seit Jahren, aber nur gelegentlich, als Band unterwegs sind, was es bedeutet, wenn die Chemie stimmt. Sie hören einander sehr gut zu, übernehmen und variieren Ideen des anderen, geben sich genügend Raum und entwickeln aus Zusammenspiel und Dynamik lyrische Momente, Grooves und positive Stimmungen.

Espoo Big Band – Ausgefeilter Big Band Jazz

Für ihr „Blood Red“ hat sich die ESPOO BIG BAND durch eine Novelle von Orhan Pamuk inspirieren lassen. In 5 extra langen Tracks lässt dieser grosse Klangkörper türkische Harmonien durchscheinen, ohne sich auf diese festzulegen. Gemeinsam eine nachvollziehbare Sound-Kulisse schaffen ist das Ziel, auf der die Solisten, allen voran der herausragende Trompeter Verneri Pohjola, ihre Vorstellungen und Emotionen laufen lassen. Und denke niemand bei dieser Big Band an Swing. Kann sie auch, aber Bläsersätze und Rhythmik sind bisweilen modern und raffiniert, nicht ganz der ‚Escalator over the Hill‘ doch auf keinen Fall James der Letzte. Fordert Fantasie.

Die braucht m/f auf jeden Fall bei der genauso kurzweiligen wie kurzteiligen „Wave 2“ von CURD DUCA . Wie auf dem Vorgänger, aber ganz anders. Miniaturen, eigenwillige Sounds, unterschiedliche Stimmungen, dargestellt in 32(!) Tracks auf einer LP. Da heisst es aufmerksam zuhören, um nicht unerwartete, überraschende Klänge, Ideen und Folgen zu verpassen. Futuristische Elektronik eines frühen Helden, der mit der Waves-Reihe (Vol. 3 folgt), seine ersten musikalischen Exkursionen seit 20 Jahren in Angriff genommen hat. Nicht so doll für Chips und Bier…

Archivtexte Ohrenschmauch

GünterGünter

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