Von Günter

ABEKEJSER/ MEC YEK/ RIVAL CONSOLES/ NIKOS TSIACHRIS/ CHRISTIAN McBRIDE/ ABDULLAH IBRAHIM

Abekejser – Dänische Mischung

So schwierig wie den Projektnamen richtig auszusprechen, ist es auch die Musik von ABEKEJSER in Worte zu fassen. Die vier Herren an konventionellen Instrumenten (keyb.,b,git., und Drums plus ein Elektronika-Spezialist legen mit „Blueprint“ den Schaltplan ihres frischen Sounds vor. Aus dem Jazz entliehene Spielweise, eingängige Harmonien auf Rhythmen zwischen knackigen Bassbeats und psychedelischem Schweben in 11 sehr unterschiedlichen Tracks. Alte Synthie-Klänge verzieren straighte Drums, Gitarren-Parts beschwören vergangene Rock-Jazz-Momente herauf, am Ende aber gewinnen wieder die runden Klänge.

Sehr viel eindeutiger klingen MEC YEK, die beiden Sängerinnen Katia und Milka und ihr Ensemble mit Akkordeon, Bass, Perkussion, Trompete und Sax bzw. Klarinette. Sie mischen Gypsy Einflüsse mit Balkan Pop und ein wenige russischer Seele und singen frisch, fromm, fröhlich, frei, mit viel Schwung und einer absolut versierten Combo. Ihre Muttersprache verstehe ich leider nicht, die kurzen Texte auf „Taisa“ sind zum Glück in 3 weiteren Sprachen abgedruckt, nicht nur musikalisch wurzeln sie in ihrer Tradition.

Was will mir der Künstler damit sagen? Ist bei instrumentaler Musik nicht unbedingt leicht herauszufinden. RIVAL CONSOLES‘ neues elektronisches Klangmonster ist die Vertonung des Tanzprojektes „Overflow“ von Alexander Whitley. Dabei geht es um ‚Big Data‘ und deren Einfluss auf die menschliche Gefühls- und Lebenswelt. Zwischen bedrohlichen Beats, dunklen Klangflächen und Soundsteuerung durch Stimmfragmente entfaltet sich die durchgängige Idee, der m/f mit ein wenig grundsätzlicher Information und etwas Fantasie gut folgen kann. Ist kein Pop, eher Kunst..

Nikos Tsiachris – In der Spur von Paco

Es war einmal…. Ein junger Grieche mit einem Faible für Flamenco, den es per Zufall nach Berlin verschlug. Mit „Primavera in Berlin“ legt NIKOS TSIACHRIS sein 2. Werk unter eigenem Namen vor, nachdem er bereits mit dem Projekt Rasgueo, einer Fusion aus Flamenco und Jazz, sehr erfolgreich war. Diese Idee zieht sich auch durch seine neue CD. In unterschiedlichen Kombinationen ergänzen gezielt ausgesuchte Instrumentalisten (Oud, Sax, Violine, E-Gitarre) oder Stimmen, seine Vorstellungen in adäquate Klänge umzusetzen. Was für die Hörenden den Vorteil hat, dass seine Meisterschaft auf den 6 Saiten nicht zur absoluten Dominanz auf den 8 eher langen Titeln des Albums führt. Der bewegt sich klar auf den Spuren von Paco.

Das hier ist zeitloses Jazz-Ensemble Spiel auf höchstem Niveau. Ob aus den 60ies oder den aktuellen 20ies, das machte keinen Unterschied. Tatsächlich stammt „Live at the Village Vanguard“ von CHRISTIAN McBRIDE und seiner Combo Inside Straight aus dem Jahr 2014. Im Quintett mit p, b, dr, Sax und Vibrafon interagieren diese Herren motiviert und dynamisch, ob im abgesprochenen Arrangement oder im ‚freien Flug‘ durch die Harmonien. Die Frage, ist es Be-Bop, Re-Bop oder She-Bop stellt sich bei diesem fulminanten Hörvernügen nicht, das sind 5 Könner, die sich gegenseitig das Beste bieten.

Abdullah Ibrahim – His Journey, his Vision

Sein ‚African Piano‘ war die erste Solo-Klavier-Platte meines Lebens und die meine Ohren öffnete für die seinerzeit schon ungewöhnlichen Klänge des ECM Labels. Zu seinem 87. Geburtstag im vergangenen Oktober spielte ABDULLAH IBRAHIM, wie jedes Jahr, ein Konzert im bayerischen Riedering. Auf „Solotude“, so der Titel seines Programms, resümiert er in 20 oft kurzen Ausflügen sein Leben und seine Erfahrungen, die, schiene nicht gelegentlich der Blues durch, eine konzentrierte Zusammenstellung kleiner Piano-Preziosen der grossen Komponisten des letzten Jahrhundert sein könnten. Sein Vermächtnis?

Archivtexte Ohrenschmauch

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