Von Günter

MATT ANDERSON/ JEREMY IVEY/ SOMI/ YARKA RISSANEN & TIMO YLINEN/ SHANNON BARNETT QUARTET/ ROEDELIUS STORY/ IKARUS/ UNDER THE SURFACE

Für seine kraftvollen, im Blues beheimateten Rock-Varianten mit grosser Band hat er auf dieser Seite lobende Worte bekommen. Auf „House to House“ macht MATT ANDERSON jetzt alles allein. Intime Balladen, ruhige Folksongs, Soul, mit seinem unverwechselbaren Gesang und akustischer Gitarre in Szene gesetzt und an wenigen Stellen abgerundet durch Gospel trainierte Sängerinnen im Hintergrund. Zum Finale C. Mayfield’s ‚People get ready‘. Mehr braucht es nicht.

Na bitte, geht doch. Vergangene Jahrzehnte plündern nach guten Ideen, die dann verbinden mit den Flausen aus dem eigenen Kopf und daraus Musik entstehen lassen, die zwar nicht unerhört neu ist, aber absolut eigenständig. ‚Wenn man eine Melodie im Kopf singt, kann man 3 oder 9 Akkorde darum herum stricken, dieses Mal nahm ich 9‘ sagt JEREMY IVEY über sein neues (3.) Album „Invisible Pictures“. Entsprechend vielfältig kommen die 10 Songs daher, sparsam zu Piano oder Gitarre, genauso gern mit rumpelnden Drums und Band. Dazu sein sarkastischer Humor. Jeremy leidet nicht an dieser Zeit, er nutzt sie!

Ein ehrenwertes Unterfangen hervorragend umgesetzt: Sängerin SOMI verneigt sich mit „Zenzile: The Reimagination Of Miriam Makeba“ vor der wohl bekanntesten Stimme Südafrikas. In ausgefallenen Arrangements transferiert sie die Originale in zeitgemässen Jazz, Blues, Soul und verschiedene populäre afrikanische Rhythmen. Dabei wird sie unterstützt von u.a. Sean Kuti, Angelique Kidjo, Ladysmith Black Mambazo und Gregory Porter. 17 Tracks insgesamt, natürlich auch Pata Pata.

Nach vielen Jahren in gemeinsamen oder auch nicht Bands haben JARKKA RISSANEN & TIMO YLINEN mit 2 Gitarren und Gesang Lieblingssongs aus mindestens 50 Jahren Pop ‚unplugged‘ aufgenommen. Von Beck zu Lennon/McCartney zu Bob Welch zu Jackson Browne, Steven Stills und David Crosby, fein ausgesucht und absolut entspannt und sparsam in neue Form gebracht. Macht gute Songs noch besser.

Durchaus nicht gewöhnlich: Die Leaderin des SHANNON BARNETT QUARTET spielt Posaune. Ergänzt durch Bass, Drums und Tenorsax improvisieren und oder begleiten sich die vier durch die eigenen Kompositionen, lassen sich nicht durch populäre Strömungen ablenken und machen ihr Ding. Praktisch live im Studio.

Ebenfalls aussergewöhnlich: Klaviermusik zu 4 Händen, jedoch nicht gleichzeitig, sondern nacheinander eingespielt. So geschehen bei ROEDELIUS STORY „4 Hands“. Roedelius werden die meisten kennen, Tim Story vielleicht aus seiner populären Zeit beim Label Windham Hill. So klingt’s auch, zurückhaltende Piano-Klänge zwischen Space und Romantik, die klassische Ausbildung scheint immer wieder durch.

Jetzt 2 echte ‚Granaten‘ für die ich zu wenig Platz habe. Mit 2 Stimmen, Piano, Bass und Drums erschaffen IKARUS eine mir bislang nicht bekannte Klangwelt. In komplexen Rhythmen, eingebettet in Harmonien und Sounds, deren Abstammung aus jedem oder keinem Winkel der Welt stammen könnte erschaffen sie auf „Plasma“ kaum zu fassende Bilder, bleiben dabei jedoch in keinem Augenblick berechenbar. Kostbar und rar, solche Musik.

UNDER THE SURFACE, das Projekt von Sanne Rambags (Stimme), Bram Stadhouders (Gitarre) und Jost Lijbaart (drums), bedient sich als Sprache des Alt-Niederländischen, d.h. versteht m/f eher nicht. Muss auch nicht, mit der Mini-Ausrüstung imaginieren und gestalten sie Räume, schwebende Klänge, zum Himmel strebende Harmonien. „Miin Triuwa – I am true“, fasziniert vom ersten Moment an, zieht jede weitere Sekunde die (Zu-) HörerInnen mehr in den Bann. Gross!

Archivtexte Ohrenschmauch

GünterGünter

Weitere Beiträge 2022