FLAATA-ACKLES-BUSK/ VIVIAN LEVA/ YAN WAGNER/ PAUL WHITE/ JOJO EFFECT/ LEO SIDRAN/ JEFFREY LEWIS AND THE DEPOSIT RETURNERS

Für diese CD muss m/f schon ein echter Elvis Fan sein. Drei nordische ‚Riesen‘, auch genannt die ‚FAB 3‘, PAAL FLAATA, VIDAR BUSK, STEPHEN ACKLES, nehmen sich ausserhalb ihrer üblichen Aktivitäten der anderen Seite des Verstorbenen an. Auf „A Thing called Love“ intonieren sie Gospels, die der Mann aus Memphis gesungen hat. Mit ordentlich Respekt, grossem Einfühlungsvermögen und ein wenig Individualismus. Ist mir persönlich etwas zu feierlich, aber wer’s mag…

Ebenfalls ganz in der Tradition verfasst VIVIAN LEVA ihre Songs. In korrekter Besetzung für Country Musik präsentiert sie 10 Songs aus ihrem Schaffen. „Time is everything“ zeigt sie als aufstrebende Sängerin eigenen Materials.

YAN WAGNER ist mir vorher nicht zu Ohren gekommen. Seine 2. Platte, „This never happened“ erinnert mich stark an die Musik von Louie Austen, also ein wenig altmodisch klingende, programmierte Popsongs und dazu Gesang, der eher an grosse Crooner, wie Sinatra z.B. erinnert. Was er selbst auch noch untermauert mit einer feinen Synthi-Version von ‚It was a very good Year‘

Sehr viel zeitgemässer verwendet PAUL WHITE das moderne Klang-Equipment. Dabei klingt die Inspiration durch sehr viel ältere Pop-Musik immer wieder durch. Passend ausgesuchte weibliche Stimmen steuert er durch oft psychedelische Farben. Als anerkannte Grösse auf dem Gebiet des Sampling und Cut and Paste ist er mir nicht geläufig, aber als Musiker und Produzent gibt er mit „Rejuvenate“ einen überzeugenden Einstand. Das positiv klingende Gegenstück zur 1. Portishead?

Lässig im Sonnenschein

Bereits bei Album Nummer 5 ist der JOJO EFFECT angekommen. Und klingt dabei immer ausgeklügelter. Geschickt unauffällige Programmierungen werden mit diversen Instrumenten ‚abgefedert‘, 5 unterschiedliche SängerInnen auf 9 der 15 Tracks plus gelungene Einzelleistungen an Saxofon und Trompete sorgen für reichlich Abwechslung. Und die gibt es sowohl in Rhythmus, als auch in Stimmung über die gesamte CD hinweg. Zwischen Lounge, angejazzten Popsongs, Swing und einer gelungen pathetischen Version von ‚Nights in white Satin‘ tanzt der JOJO EFFECT Groove stiftend auf allen Hochzeiten.

Hommage an Michael Franks

Der Vater hat eine respektable CD mit Cover Versionen von Dylan Titeln veröffentlicht, der Sohn folgt mit einer CD mit Songs von Michael Franks. Dessen sanfter Westküsten-Songwriter-Jazz-Pop mit gelegentlichem Brasil Einschlag hat zu Recht auch bei uns ordentlich Wirkung entfaltet. Für „Cool School-The Music of Michael Franks“ hat LEO SIDRAN eine erlesen Truppe musikalischer UnterstützerInnen zusammen getrommelt und seine persönlichen Favoriten aus dem grossen Schatz des Erfinders eingespielt. Natürlich sind ein paar der bekanntesten Songs darunter, aber eben auch Tracks, die der Stream nicht an vorderer Stelle anführen würde. In entsprechender Stimmung, ganz entspannt, ohne Eile, mit viel Sorgfalt für den sonnengetränkten Sound und seiner Stimme, die nicht weit entfernt ist vom Original, gibt er den Songs eine respektvoll gelungene Neugestaltung. Und weil er weiss, dass auch hier angewendet werden kann ’nobody sings Dylan like Dylan‘, hat er für den Titelsong den Schöpfer Michael Franks selbst vors Mikrofon geholt. „The cool School“ für die lauen Abende!

Poesie des Underground

Für die letzte dieser Woche muss m/f mindestens graue Haare oder Enkel haben. JEFFREY LEWIS AND THE DEPOSIT RETURNERS intonieren 15 Songs aus dem Schaffen des Underground Musikers und Poeten Tuli Kupferberg. Erinnert noch jemand die ‚FUGS‘? (Danke, Norbert!) Mit denen machte Herr K in den 60ies Furore. Und Herr Lewis und eine grössere Gruppe Fans halten die Musik und Texte des 2010 verstorbenen lebendig. Die bewegen sich zwischen sarkastisch und albern, zynisch und radikal. Die musikalische Umsetzung auf „Works by Tuli Kupferberg“ entspricht diesen Vorgaben. Wenn Euer Eitunes oder Spottify das nicht hergibt, sucht nach David Peel & The Lower Eastside, deren Sound hat eine gewisse Ähnlichkeit. Oder gebt Herrn Gugl eine Chance. Ist es wert!

Autor: Günter

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