SIMONE KOPMAJER/ RED RIVER DIALECT/ BABA ZULA/ MANU DELAGO/ EMINENT STARS

Nach den Afro-Rhythmus Orgien der letzten Woche starte ich heute mal mit etwas Gediegenem. SIMONE KOPMAJER hat bereits 14 Platten veröffentlicht. Die habe ich nicht alle gesehen oder gehört. In diesem Jahr gibt’s keine neue Platte, sondern eine Werkschau. „My favorite Songs“enthält 32 Songs auf 2 CDs, auf der ersten Jazz-Standards des vergangenen Jahrhunderts, auf der zweiten Songs aus der Welt des Pop, von Prince über Billy Joel zu Adele. Gleich, welchem Titel sie sich widmet, ihre wandlungsfähige Stimme und die feine Nuancierung ihres Vortrags sind mehr als hörenswert. Das bestätigt auch die Liste der Bandmitglieder der letzten ca. 20 Jahre. Für mich unverständlich, warum diese hervorragende Sängerin ausserhalb Europas so viel erfolgreicher und bekannter ist als rund um ihre österreichische Heimat.

Eine CD/LP mit ganz schönen, wenn auch eher traurigen, Liedern liefern RED RIVER DIALECT. Von denen habe ich vorher auch nie gehört. „Abundance welcoming Ghosts“ ist als Titel so ungewöhnlich, wie die Konstruktion der Songs. Unabhängig (Independent) von den Geschäftsinteressen der grossen Firmen verbinden sie harmonisch und rhythmisch vielseitig Musik-Ideen des Pop mit Klängen der keltischen Musiktradition. Verwenden neben den üblichen Instrumenten der Rock-Bands auch solche der überlieferten Kultur und haben einen ausgesprochen überzeugenden Sänger an Bord. Nicht zum Mitsingen, aber interessant zu hören.

Psychedelisches aus der Türkei

Eine mindestens genauso spannende Mixtur aus psychedelischen Momenten, schwerfälligen Rhythmen und traditionellen Instrumenten und Sounds aus der Türkei bieten BABA ZULA auf dem Album „Derin Derin“. Mit dezenter elektronischer Unterstützung erzeugen sie alle wichtigen Klänge mit Oud, Saz, türkischer Perkussion, diversen anderen heimischen Instrumenten sowie elektrischen und akustischen Gitarren aus der westlichen Hemisphäre. Der grössere Teil der 10 Tracks erinnert mich in seiner fast hypnotischen Wirkung an einiges aus der Materialkiste von Massive Attack. Ich verstehe zwar kein Wort, aber die Tatsache, dass sie einen Teil der Tracks in ihrer Heimat nicht aufführen dürfen, lässt mich davon ausgehen, dass sie das liberalere europäische Demokratie-Modell bevorzugen. Das sollte m/f gehört haben!

Magisch bis mystisch

Eine für die Minderheit in der Minderheit. MANU DELAGO, vielgebuchter Hang-Spieler hat bereits seit September ein neues Werk auf dem Markt. „Circadian“ lebt natürlich in erster Linie von seinen minimalen Rhythmus-Varianten und seinem hochemotionalen Spiel auf dem metallenen Klangkörper, für dieses Album, dass den imaginären Tagesablauf eines Menschen begleiten soll, hat er seine Klangwelt um Streicher-Passagen und wenige andere Melodie-Instrumente erweitert und schafft mit sparsamsten Mitteln eine geradezu mystische Atmosphäre.

New Orleans in Amsterdam!

Als Experten im Finden vergessener Perlen sind sie weltweit bekannt; Die Damen und Herren von Tramp Records. Aber bisweilen produzieren sie auch komplett Neues. So mit dem 2. Album der EMINENT STARS. Die leben zwar in NL, wer dass nicht weiss und nur auf die Musik hört, fühlt sich ganz schnell in einen schwitzigen Club in New Orleans versetzt. Schon mit dem Erstling ‚Sittin‘ in‘ aus 2014 überraschten sie die Welt mit ihrem authentischen Sound. Für „Bumpin‘ on“ haben sie noch mehr Vintage Equipment zusammengetragen und 8 griffige neue Songs geschaffen. Gemixt aus Soul, Blues, diesem spezifischen NO Funk und einem feinen Händchen für die dazu gehörige schlanke Produktion gibt’s hier gelungene Grooves für jede Gelegenheit. Flott fürs Parkett, smoochig fürs Sofa und zum Finale ein langer Track, Live eingespielt, der zeigt, mit welcher Intensität diese Herren zur Sache gehen. Wow!

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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