ANDREA PANCUR/ JOSH ROUSE/ MAGNE FURUHOLMEN/ JULIANO ROSSI/ PAUL HANKINSON

Weil es ja doch wieder Weihnachten wird…..stelle ich auch in diesem Jahr ein paar Tonträger vor, in denen dieser Anlass häufiger Inhalt ist, als in der Pop- oder Jazz-Musik des Restjahres üblich.

Auf diesem Sektor gibt es mindestens 2 grosse Gruppen. Die erste greift sich einen Satz der bekanntesten und beliebtesten Songs zum Thema, kopiert die erfolgreichen Vorgänger und hat zumindest in diesem Jahr Erfolg damit. Die andere Gruppe sucht in der Vergangenheit, im In- und Ausland und überhaupt nach noch nicht so verschlissenen Ohrwürmern.

Von jüdisch bis bayrisch

„Weihnukka“ nennt ANDREA PANCUR ihr Werk. Eingeweihte schliessen schon aus dem Wortspiel des Titels, dass es sich um eine Mischung handelt. Zwischen dem jüdischen Chanukka Fest und dem christlichen Weihnachtsfest, die beide um die Wintersonnenwende stattfinden. Sie mischt also deutsches Liedgut, meist aus dem Süden, mit jüdischen Weisen. Und bleibt dabei mit ihrer Jazz geschulten Band ganz sicher nicht immer religiös und brav. Wird später mal ein Dokument sein für diese Zeit, in der wir alle auf eine friedlichere Welt hofften.

Gleich 9 ganz eigene Songs zum Thema finden sich auf “The Holiday Sounds of..“ JOSH ROUSE. Singer / Songwriter mit Wurzeln in der Country Musik die er mit einem guten Schuss swingendem Pop garniert. Im Tonfall von jemandem, der schon diverse Variationen ‚Holidays‘ kennenlernen durfte und jetzt mit entspanntem ‘Rumhängen‘ mit den ‚Homies‘ bestens zufrieden ist. Für alle, denen der Inhalt des Albums nicht spezifisch weihnachtlich genug ist, liegt eine Bonus 6 Track CD bei, auf der er im Alleingang mit Gitarre näher auf das Thema eingeht

MAGNE FURUHOLMEN, einer der drei A-HA’s aus Norwegen bringt es sogar auf 17 Titel. Er setzt sich eher kritisch mit dem Anlass auseinander, klingt alles in allem eher melancholisch, schaut aber gern nach rechts und links und baut zwischen seine eigenen Entwürfe ‚Father Christmas‘ von den Kinks/Ray Davies oder ‚Hells Bells‘ von AC/DC, allerdings mit Band und Electronics stark individualisiert.

Swinging Christmas ohne Kitsch

Dann ist da noch JULIANO ROSSI, der auf „The last White Christmas“ den Mittelweg geht. Ein paar wohlbekannte Klassiker, einige, die nicht so oft auftauchen und eigenes Material. Genauer gesagt, komponiert von Lutz Krajenski, der ausserdem für die 12 Songs gekonnt sehr Jazz-affine Arrangements ausgearbeitet hat, die mit Bläsern und Kontra-Bass Juliano die Möglichkeit geben, die Songs in bester Sinatra Manier zu eigenen zu machen.

Friedvoll, ganz ohne Christmas

Die jetzt hat gar nichts mit Weihnachten zu tun, ist lediglich passend auf den Markt gekommen. PAUL HANKINSON hat sich für die 12 Titel auf „Dear Emily“ von den Gedichten von Emily Dickinson inspirieren lassen. Ruhige, wohlkomponierte Miniaturen für Piano solo, die auch schon mal etwas länger sein können. Nicht so streng minimal, wie vielleicht Philipp Glass, und nicht ganz so dem Melodierausch verfallen, wie Ludovico Einaudi. Sehr eigen, sehr still und sehr berührend. Eine echte Alternative zum Christmas-Getöse.

Einige von meinen ‚ewigen‘ Favoriten gibt’s noch obendrauf. „BUMMED OUT CHRISTMAS“, befasst sich mit möglichen Schattenseiten des Festes; für alle, die Weihnachten nur für ein Mega-Marketing-Event halten, „Christmas on Big Island“ von den BLUE HAWAIIANS für alle, die nicht nur vom Iron Man träumen, „Making Spirits bright“ von DEAN MARTIN geht besser mit ausreichend Alkohol und natürlich die Christmas goes Reggae und Ska Variante „Once a Year“ von DR. RING DING. In diesem Sinnes: Ein klingendes Fest!

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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