MIGUEL GIL/ ALLISON DE GROOT & TATIANA HARGREAVES/ YINON MUALLEM/ MISIA/ NOVAA/ GLOBAL JOURNEY

..singt Garcia Lorca

Auf den ersten Blick dachte ich, Paolo Conte hätte es nach Spanien verschlagen. Stimmlich ist MIGUEL GIL wirklich nicht weit von seinem italienischen Kollegen entfernt. Musikalisch bedient er sich allerdings zum grössten Teil aus anderen Quellen. Statt klassischen Jazz zu verarbeiten, schreibt und findet er seine Melodien und Songs in der Schublade der Songwriter, ist jedoch erblich stark belastet durch Latin Rhythmen, natürlich Flamenco und andere heimische Liedformen. Die zelebriert er nicht vordergründig, bleibt nicht in den vorgegebenen Strukturen, dazu sind auch die Themen auf „Geometries“ zu breit gestreut und die musikalischen Helfer zu unterschiedlich. Erwachsene Pop Musik aus Spanien, ohne Mestizo Rock Anwandlungen, musikalisch vielseitig, zwischen der modernen Welt (älterer Menschen..) und traditionellen Werten.

Ganz tief in die traditionellen Werte der amerikanischen Roots Music tauchen ALLISON DE GROOT & TATIANA HARGREAVES mit ihrer Duo Platte ein. Allison spielt Banjo und singt, Tatiana zusätzlich noch Fiddle. Mit dieser Mini-Ausstattung präsentieren sie 13 selbst ausgesuchte Favoriten der Bluegrass Historie. Sowohl nach handwerklichen Kriterien, als auch nach politischer Relevanz und persönlichen Vorlieben. Die sollte m/f allerdings für diese CD auch unbedingt voraussetzen.

Middle East meets West

Obwohl er offensichtlich schon lange ‚im Geschäft‘ ist, seinen Namen kannte ich bis heute nicht. YINON MUALLEM, in erster Linie Perkussionist, aber auch gut trainiert auf der Oud, fügt auf „Back Home“ zusammen, was er in der Welt des Jazz und der Musik des mittleren Ostens im Laufe seines Lebens schätzen gelernt hat. Mit kleinem Ensemble, Bass Drums, Piano und ab und an Sängerin gelingt ihm ein sehr eingängiger Spagat. Die Klänge und Stimmungen seiner Heimatregion mit der Spielweise und Improvisationen des Jazz zu verbinden. Herausgekommen sind dabei 9 kurze und längere Musik-Stücke, die trotz jazziger Herangehensweise beruhigend warm und herzlich klingen plus eine sehr ungewöhnliche Version von Lou Reed’s ‚Perfect day‘.

Toll, aber schwer zu finden

Über NOVAA weiss ich nur, dass sie im letzten Jahr einen wichtigen Newcomer Preis gewonnen hat. Gehört (Musik) hatte ich bisher nichts. Jetzt liegt mir ihre 1. CD vor. Und ich bin sehr überrascht. Keine Mainstream Breitwand Produktion und ohne die üblichen Stereotypen, mit der die Industrie heute ihre Stars bastelt. Stattdessen sehr eigene und eigenwillige Texte, gesungen mit einer Stimme zwischen frühen Goldfrapp und Björk und auch musikalisch nicht weit davon. Sensibel produziert, mit Orchester, Bläsern, Elektronika und Band gelingt ihr und ihren vielen Helfern ein mehr als ernst zu nehmender Einstand, der mit 17 Titeln und über einer Stunde Laufzeit trotz gezielter Langsamkeit nie langatmig wird. Ich weiss übrigens nicht, auf welche Weise diese CD den Weg zu mir gefunden hat. Selbst bei der Krake gibt es sie nur als Downlaod. Also bitte suchen, das Ergebnis ist mehr als lohnenswert.

Noch 2 Dinge: Am 18. Juni gibt’s Abends, wie jeden 3. Dienstag im Monat, im Bürgerfunk wieder die GLOBAL JOURNEY, noch mehr feine Musik, die sonst kaum den Weg in den Äther findet.

RICKIE LEE JONES, CARLOS SANTANA, STING und andere Big Names haben jüngst auch Neues veröffentlicht. Die, wie andere aus dieser Gattung, erwähne ich hier nicht, weil sie mir nicht gefallen, sondern weil die sicher an anderer Stelle gebührend Aufmerksamkeit bekommen!

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

GünterGünter

Weitere Beiträge 2019