Von Günter

PO‘ RAMBLIN BOYS/ NICK WOODLAND/ PATTY LOMUSCIO/ FLORIAN HOEFNER TRIO/ ILKKA AROLA SOUND TAGINE/ YELENA ECKEMOFF/ LORENZ HARGASSNER

Zum Start in dieser Woche mal etwas Lebensbejahendes aus dem Land der begrenzten Unmöglichkeiten. Die vier PO‘ RAMBLIN BOYS haben sich mit Laura Orshaw an Violine und Gesang verstärkt und mit „Never slow down“ ein packendes, fast Funken sprühendes Bluegrass Album eingespielt. Alle nicht mehr die Jüngsten, kennen sie auch Nackenschläge, die das Leben bereithält, thematisieren sie, lassen sich davon weder Schwung noch Optimismus nehmen. Natürlich (nur) Smithsonian Folkways verlegt solche Unikate, und das umfangreiche Booklet fehlt auch hier nicht.

Nick Woodland – Fleissig, fleissig

Fast so fleissig, was Veröffentlichungen angeht, wie Herr Bonamassa ist der im Süden der Republik ansässige NICK WOODLAND. Für sein aktuelles „Land Ho!“ bewegt er sich einen Schritt weg von seinem Faible für Blues und zeigt, dass er ausser J.J. Cale auch eine Portion Springsteen, Petty und Mellencamp in seinem Schaffen unterbringen kann. Mit diesem Werk wird er den Lauf der Musikwelt nicht ändern, aber geneigte Hörende eine Dreiviertelstunde vielseitig und gekonnt bestens unterhalten.

Patty Lomuscio – Mit erstklassiger Band!

Ähnliches gilt für PATTY LOMUSCIO. Für ihr „Star crossed Lovers“ hat sie eine feine Auswahl seltener gehörter Titel aus dem Great American Songbook ausgewählt, dazu zwei jüngere Kompositionen. Sie singt eher zurückgenommen, ein wenig Old School, wie es in den 50er/60ern Standard war und wird begleitet von b, dr und Piano. Soweit so gut, was diese CD aus der Masse heraushebt, sind Saxofonist Vincent Herring, der auf 3 Titeln als Gast zu hören ist und besonders Pianist Kenny Barron, dessen extra sparsames Spiel die Musik luftig hält und dabei Harmonie und Melodie nie aus den Augen verliert.

Noch einmal Piano, jetzt im Trio mit b & dr und ohne Gesang. Das FLORIAN HOEFNER TRIOerweitert seine Discografie um „Desert Bloom“. 9 neue Kompositionen, die er mit seinen Kollegen erfindungsreich, wandlungsfähig und ausgesprochen dynamisch in Szene setzt. Von streng an den Noten entlang zu freiem Flug über bekanntes Gelände, diese drei surfen auf gleicher Welle, bringen ihre Fähigkeiten absolut gleichberechtigt ein.

Für Freunde gelungener Experimente: ILKKA AROLA SOUND TAGINE, finnisches Projekt, das sein konventionelles (Jazz) Instrumentarium um mehr oder weniger dezente Elektronik ergänzt und die selbstgeschaffenen Klänge um Rhythmen, Sounds und Psychedelisches aus dem Mittleren Osten erweitert. „Blue and Golden“ nennt es die CD, deren Eindruck auch an die jazzigeren Ausführungen von Krautrock erinnern. Kaum durchgängige Beats, sehr viel Sphäre und immer etwas Jam Session Gefühl.

Pianistin/Komponistin YELENA ECKEMOFF setzt ihre Beschäftigung mit biblischen Psalmen auf „I am a Stranger in this World“ gleich als Doppel CD fort. In illustrer Band-Besetzung übersetzt sie mit den Kollegen die Worte der Psalmen in Musik. Pathos oder Frömmigkeit gibt’s hier nicht, eher Variationen von Ragtime über frei bis Blues. Immer für eine Überraschung gut.

Lorenz Hargassner– Mit anderen Begleitern

Seine ‚Haupt-Combo‘ nennt sich Pure Desmond, das lässt schon Schlüsse auf die musikalischen Vorstellungen von LORENZ HARGASSNER zu. Mit drei befreundeten Wegbegleitern hat er seine „Golden Standards“ praktisch live im Studio, ohne Proben, eingespielt. Der Titel gibt es vor, Klassiker die m/f ziemlich sicher kennt, in etwas ungewohnteren Arrangements. Nicht schräg oder schrill, aber schon gar nicht Bar Musik. Immer schön, austrainierten Musikern zuzuhören, die sich gegenseitig inspirieren und ‚anschieben‘.

Archivtexte Ohrenschmauch

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