Es kommt nicht oft vor,

dass ich einen fertig geschriebenen Presseausweis aus der Veröffentlichung nehme, um Dienstagmorgen ab 6 Uhr einen neuen Text zu schreiben. Heute ist es so. Drei Tage öffentliche Diskussion um die Entscheidung des 26 Jährigen Außnahmefußballers Joshua Kimmich, sich mit den derzeit angebotenen Impfstoffen nicht impfen zu lassen, fordern meine Stellungnahme heraus.

Es ist für einen liberalen Demokraten nicht widerspruchslos hinnehmbar, dass Kimmich mit der Wucht von 1.000 Redaktionsstuben ein glasklares Argument aus der Hand geschlagen wird: es kann zu den eingesetzten mRNA- und Vectorimpfstoffen keine Langzeitstudien geben, weil es diese genbasierten Impfstoffe überhaupt noch nicht lange gibt.

Der jedermann zugängliche Netdoktor schreibt zu Verktorimpfstoffen: "Vor Covid-19 haben die zuständigen Behörden zwei Vektorimpfstoffe zugelassen - einer gegen Dengue-Fieber und einer gegen Ebola." Dass mRNA-Impfstoffe erstmals im Zusammenhang mit Covid-19 entwickelt wurden, mit ihrer Entwicklung also erst vor nicht einmal 24 Monaten (!) überhaupt begonnen wurde, sollte in jeder Redaktionsstube zum Allgemeinwissen gehören. Das Kimmich Argument der fehlenden Langzeitstudien sticht, weil zwischen Erfindung der Gen-Techniken und ihrer Anwendung bei Milliarden Menschen weniger als ein Wimpernschlag der Geschichte vergangen ist.

Damit kommen wir zum eigentlichen Thema: darf ein Außnahmefußballer nach 20 Monaten öffentlicher Corona-Hysterie in Deutschland - es gab zwischenzeitlich keine anderen Themen mehr - ein zutreffendes Argument abseits des Meinungs-Mainstreams äußern? Kann er machen, aber er muss damit leben, dass ihm sein ohne Zweifel zutreffendes Argument von einer überwältigenden Mehrheit mit missionarischer Wucht aus der Hand geschlagen wird.

Dabei zeigt sich der 26 Jährige mit seiner Entscheidung ein weiteres Mal gut informiert, wenn er davon aus geht, dass sein Immunsystem mit einer auf Dauer unausweichlichen Infektion wahrscheinlich in aller Kürze fertig wird. Alle bekannten Studien sprechen für ihn.

Nur Karl Lauterbach nicht. Der abwechselnd vom Zeitgeist gehetzte und den Zeitgeist hetzende SPD-Experte übernahm sofort die Führung der Anti-Kimmich-Bewegung. Der 26jährige Spitzensportler solle gefälligst sein Immunsystem auf eine Stufe stellen mit einem 66, 76, 86 oder gar 96jährigen, auf die Risikostufe derer, die im letzten Winter Aufenthalte auf Intensivstationen nicht überlebt haben.

Genau das tut der gut informierte Kimmich nicht. Er traut zu Recht seinem Körper mit der natürlichen Immunabwehr mehr zu als Bewohnerinnen und Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen. Sein Beispiel eines Vertrauens zur angeborenen individuellen Stärke ist im Deutschen Meinungs-Mainstream nicht mehr gewünscht.

Wir werden sehen, ob es überhaupt noch geduldet ist. - Arno Tilsner

Autor: Arno Tilsner

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