Die Vorteile halten wir für selbstverständlich.

Die Vorteile halten wir für selbstverständlich. Aber sie sind weder von allein entstanden, noch bleiben sie erhalten, wenn wir uns nicht aktiv für ihren Erhalt einsetzen. Die Rede ist von Europa und der Europäischen Union. 60 Jahre römische Verträge haben wir in der letzten Woche gefeiert. Und das zu Recht.
Die EU hat uns die längste Friedenszeit in der deutschen und europäischen Geschichte gesichert - während sonst in der Welt grausame und brutale Kriege geführt wurden und werden. Jedem EU-Mitgliedsland geht es wirtschaftlich besser, als wenn es nicht beigetreten wäre. Wir können von Lissabon bis Warschau und von Stockholm bis Sizilien reisen, ohne auch nur einmal bei Grenzkontrollen den Pass zeigen zu müssen. Wir können überall in Europa arbeiten oder studieren, ohne dass es dafür einer besonderen staatlichen Genehmigung bedürfte.
Diese EU ist von innen und außen unter Druck geraten. Sie könnte zerbrechen, wenn wir nicht aufpassen. Im Inneren gewinnen rechtspopulistische und nationalistische Parteien wie AfD oder Front National an Einfluß, die die EU zerstören wollen. Mit Orban in Ungarn und mit Kaczyniski in Polen sind Männer an die Macht bekommen, denen europäische Solidarität wenig und der Nationalstaat über alles gilt.
Nicht nur Putin ist gegen die EU (und deshalb mit den Rechtspopulisten verbündet), weil er Russlands Stärke gegenüber einem einzelnen Land besser ausspielen kann, als gegenüber einer Union von 28 Staaten. Erstmals in der Nachkriegsgeschichte ist aus ähnlichen Gründen auch der amerikanische Präsident Trump nicht für die EU, sondern bejubelt den Brexit.
In Münster und vielen anderen deutschen und europäischen Städten gehen jetzt Bürger auf die Straße, um für Europa und für die EU zu demonstrieren. Unter dem Motto "Pulse of Europe" haben am vergangenen Sonntag zum dritten Mal Menschen aller Altersgruppen für Europa und gegen Rechtspopulismus und Nationalismus demonstriert. Nach meiner Schätzung waren es diesmal deutlich über 1000 und damit noch mehr als zuvor.
"Wir sind verantwortlich", heißt es in der Erklärung von pulseofeurope#. Und weiter: "Jede und jeder ist für das Scheitern oder das Gelingen unserer Zukunft verantwortlich. Niemand kann sich herausreden...Wer untätig ist, stärkt die antieuropäischen Kräfte. Europa braucht jetzt jeden Menschen..." Das nächste Mal am nächsten Sonntag um 14.00 Uhr auf dem Domplatz, und dann weiter jeden Sonntag bis zum zweiten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen am 07. Mai.

Autor: Ruprecht Polenz

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