Liebe Leserinnen und Leser, dieser Tage erreichte die Ratsmitglieder eine Vorlage,

Liebe Leserinnen und Leser,
dieser Tage erreichte die Ratsmitglieder eine Vorlage, die geradezu lyrisch klingt: „Ouvertüre zu einem europaweit einmaligen Projekt“, heißt es da. Und danach: die Musik in Münster werde „entfesselt“. Konkret geht es um das Musikcampus-Projekt.

Nach dem Bürgerentscheid von 2008, bei dem der Plan für eine Musikhalle scheiterte, wurden danach Überlegungen angestellt, ob nicht am Hörsterparkplatz ein Neubau für Musikschule und Volkshochschule entstehen könnte, der um einen Konzertsaal erweitert werden könnte. Vor allem Privatleute trieben diese Idee jahrelang voran. Vor drei Jahren dann unterzeichnete aber Oberbürgermeister Lewe mit dem Uni-Rektor Wessels eine Absichtserklärung, dass man im Rahmen des Neubaus der Musikhochschule auch die städtische Musikschule neu bauen und mit einem Kongress- und Konzertsaal ergänzen könne – Standort: Hittorfstraße, auf dem dortigen Uni-Gelände.

Gleichzeitig strickte eine dritte Gruppe von Privatleuten an Plänen, wie man den Schlossplatz bebauen könnte. Das alles war recht chaotisch – nun aber nimmt der Oberbürgermeister mit dem Uni-Rektor Kurs auf das eigene Projekt: Europaweit einmalig, sensationell – an euphorischen Ausdrücken ist kein Mangel, für das was dort entstehen soll. Viele Freunde der Musik jubeln schon, dass nun endlich die ersehnte Musikhalle doch noch komme.

Doch ist das wirklich so? Die aktuelle Vorlage an den Rat fordert zwar einen Grundsatzbeschluss zum Thema, sie schweigt aber zu einem ganz entscheidenden Punkt. Nirgendwo findet sich auch nur irgendein Wort zu den Kosten des Projekts. Stattdessen sollen die Finanzbedarfe geprüft werden, gleichzeitig aber schon alles positiv vorentschieden werden.

In Gesprächen mit der Uni war zuletzt von bis zu 200 Millionen Euro Gesamtkosten die Rede – wovon etwa 40 % auf die Stadt entfallen sollten. Der Oberbürgermeister sprach im Sommer von 60 Millionen städtischem Anteil. Das ist nicht gerade wenig, vor allem, wenn man gleichzeitig noch die Betriebskosten als das eigentliche Problem im Blick behält. Zu all dem aber gibt es kein offizielles Wort. Parallel wird der Haushalt eingebracht – mit der klaren Aussage des Kämmerers: Wenn alles weiterlaufe wie derzeit absehbar, dann sei Münster 2023 in der Haushaltssicherung, also in der kommunalen Insolvenz.

Wer also jetzt hochfliegende Pläne einbringt, wie es der Oberbürgermeister ein Jahr vor der Kommunalwahl tut, wird wohl auch die Frage beantworten müssen, wie er das alles nach der Wahl bezahlen will. Und auch, welche anderen Projekte und städtischen Leistungen dann nicht mehr weiter fortgeführt werden können. Zur Abwechslung werden wir also in Münster mal darüber diskutieren müssen, was wir uns leisten wollen und können. Und auch, wie wir das alles bezahlen wollen. Keine Aussagen zu treffen, ist keine Lösung.

Autor: Michael Jung

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