Montagnachmittag letzter Woche: angesichts der drohenden Kernschmelze im japanischen Kernkraftwerk Fukushima

Montagnachmittag letzter Woche: angesichts der drohenden Kernschmelze im japanischen Kernkraftwerk Fukushima verkündet Angela Merkel in der für sie typischen Art ein drei-monatiges Moratorium für die erst kürzlich von ihr selbst durchregierte Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke.

ANgela Merkel

Noch bevor am nächsten Tag der erste Altmeiler runtergefahren wird, hätte die Kanzlerin - ohne Wissen und Absicht - fast die na dann… abgeschaltet. Gegen 23:30 setzt ihre nachmittägliche Wendung eine Kettenreaktion zwischen Uli und mir in Gang, die genügend spaltbares Material für den größtmöglichen Unfall einer Heft-Produktion beinhaltet. Während mir der Merkelsche Trick - vor der wichtigen Landtagswahl in Baden Württemberg Ihrem Parteifreund Mappus noch ein paar Stimmen zu sichern - bestenfalls einen zynischen Kommentar hätte entlocken können, fand Uli deutliche Worte für Frau Merkels politische Gegner. Kaum dass sie ihren Entschluss kund getan hatte, überschütteten diese ihn als miesen Trick mit Hohn und Häme. 'Unappetitlich respektlos, Politik zum Abgewöhnen', warf Uli in den gemeinsamen Arbeitsraum.

Keine gute Ausgangssituation für zwei, die man von außen schwer dazu bewegen kann, eine aus Überzeugung eingenommene Position zu räumen. Gegen null Uhr dreißig ist klar, dass wir uns in einem verbalen Stellungskrieg befinden, in dem die totale argumentative Feuerkraft aufeinander los geht, ein bitterböses Gefecht, wie es von beiden Seiten nur verloren werden kann. Gott sei Dank können wir so einen unsinnigen Krieg auch beenden. Dabei werden die grundsätzlichen Positionen nicht verlassen, sie sind nur nicht mehr so explosiv.
Wenn ich heute über das Merkel-Moratorium schreibe, dann bereits mit gewaschenem Kopf. Das macht die Sache nicht schlechter. Ausstieg aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie, ohne statt dessen Atomstrom aus Frankreich oder anders woher zu importieren, ist eine gesellschaftliche Zäsur. Sie adelt 35 Jahre grüne Bewegung, Punkt. Rufzeichen, Rufzeichen, Rufzeichen.

Ein Machtmensch wie Frau Merkel gibt dafür allerdings keine Stimme her. Zu dem ihr passend erscheinenden Zeitpunkt stellt sie sich an die Spitze der Bewegung, auch wenn das Frau Kühnast die Sprache verschlägt. Tatsächlich bleibt für Sprachlosigkeit keine Zeit. Besser Frau Kühnast würde einen Gang runter schalten, um mit höherer Drehzahl die grüne Sache zügig zu beschleunigen.

Das deutsche Bürgertum ist für eine neue Dimension der Ausstiegsdiskussion offen, die im besten Fall den überfälligen Atomausstieg mit Klimaschutz zu einer typisch deutschen Sonderkonjunktur verbindet und uns für viele Jahre viel Freude machen kann.

Trick oder Nicht-Trick ist eher eine ego-bezogene Frage gemessen an der Herausforderung, den den ersten Zug in die Energiegewirtschaft von morgen zu nehmen. - Arno Tilsner

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