Zur ENERGIEWENDE fällt mir spontan zweierlei ein: 1. "Das wird teuer", 2. Erich Honecker. Erich Honecker deshalb, weil man seinen Abgang mit der folgenden Grenzöffnung und Wiedervereinigung im allgemeinen deutschen Sprachgebrauch als "Die Wende" bezeichnet. Eine Wende ohne Honeckers Abgang hätte diesen Namen nicht verdient.
Bei der Energiewende sieht die Sache im Moment so aus, dass die Hauptakteure vor und nach der Wende dieselben sein wollen. Dafür sollen die großen Vier (RWE, Eon, Vattenfall und EnBW) nach dem Willen von Frau Merkel derart mit Fördergeldern ausgestattet werden, dass sie weiter den Strom liefern - nur mit weniger Atom. Wasch mich, aber mach mich nicht nass.

Dass diese Art der Wende teuer wird, liegt auf der Hand. Denn einerseits kosten die Investitionen in große Windparks vor der Küste eine Menge Geld, zumal der Strom auch noch quer durch die Republik von Nord nach Süd transportiert und dabei zwischengespeichert werden soll über Leitungen und in Speichern, die noch gar nicht gebaut sind. Andererseits machen die Honeckers der Energiewirtschaft kein Hehl daraus, dass sie die entgangenen Gewinne aus der frühzeitigen Abschaltung ihrer Atommeiler entschädigt sehen möchten.

Vom Energie sparen wird bei dieser Art der Wende nicht gesprochen. Darüber muss man sich nicht wundern. Ich kenne keine große Aktiengesellschaft, in der nicht Wachstum das Maß der Dinge ist. Für Stromkonzerne bedeutet das, mehr und mehr Strom mit mehr und mehr Gewinn zu verkaufen.

Eine Wende als Umkehr kann es in dieser Aufstellung (Frau Merkel und die Vorstandsvorsitzenden) nicht geben. Dafür muss die Stromproduktion nachhaltig dezentralisiert werden. Beim Strom gehören Erzeugung und Verbrauch näher zusammen geführt, damit aus dem Atomausstieg eine Umkehr werden kann und nicht eine Fortsetzung der auf Verschwendung ausgerichteten Monopolwirtschaft mit Sonne, Wind und langer Leitung. - Arno Tilsner

Autor:

Archivtexte Presseausweis

Weitere Beiträge 2011