Mutti ist jetzt auch grün. Gut, bei dem Jahrhundertthema Energiewende können sich alle nützlich machen, mit Worten und Taten. Allerdings ist es nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten bei der Vielzahl an Worten und Taten, die in diesem Zusammenhang gemacht werden. Deshalb beziehe ich mich beim Stand der Dinge am liebsten auf das, was ich mit eigenen Augen sehen kann.

Dazu gehört die Feststellung, dass es unrealistisch ist, von Windkraftanlagen jederzeit eine 100%ige Planerfüllung zu erwarten. In den ersten 6 Monaten haben wir mit unserem Kraftwerk auf dem Füchtorfer Spargelacker 1,77 Millionen kWh Strom erzeugt - 32 mal soviel, wie wir pro Jahr für die Produktion der na dann… verbrauchen. Das Planziel hat die Anlage damit um 230.000 kWh verfehlt, ein Minus von 13%.

Dafür hatten wir im April und Mai bei mäßigen östlichen Winden jeden Tag traumhaft schönes Wetter. Windkraft hin oder her, über so ein Frühjahr bin ich begeistert und würde es alle Jahre wieder gegen stürmischen Westwind im April und Mai tauschen, der graue Regenwolken übers Land und den Generator auf 110% treibt.

Fakt ist weiter, dass wir die kWh selbst produzierten Stromes in Fü-Dorf für 9 Cent an die RWE verkaufen, um ihn 30 km weiter in Handorf für den doppelten Preis von den Stadtwerken zurück zu kaufen. Dazwischen liegt das Netz.
Dass das Netz in Zukunft gewaltig ausgebaut werden soll, kann man bei dem Preisaufschlag verstehen.
Fazit: wenn regenerative Energie bezahlbar sein soll, muss das Netz so klein wie möglich gehalten werden. Deshalb hatte ich schon den Stift in den Fingern, um mit dem Auftrag über eine Photovoltaik Anlage auf einem Handorfer Hallendach einen ersten Schritt in die Richtung zu tun, Stromproduktion und -verbrauch hier am Ort zusammen zu bringen.

Gerade rechtzeitig kam mir ein Artikel im Handelsblatt auf den Bildschirm, demzufolge Solaranlagen in Deutschland bereits heute Sommertags um die Mittagszeit - wenn der Bedarf am größten ist - bis zu 13,5 Gigawatt Strom liefern, so dass es kein Problem macht, Atommeiler im Sommer aus der Produktion zu nehmen. Einen Blackout im Sommer werden wir deshalb nicht erleben.

Problematisch ist die Versorgung im Winter, wenn direkt von der Sonne kaum Leistung kommt. Dagegen hilft besonders wirtschaftlich eine Kraft-Wärme-Kopplung vor Ort. Also habe ich statt der Solaranlage Bagger und Heizungsbauer bestellt. Für die nächste Heizperiode wird die Gebäudeheizung so zusammen geschaltet, dass unser “Dachs“ - ein kleines Blockheizkraftwerk - die Wärmeversorgung für den ganzen Gebäudekomplex übernimmt. Von Oktober bis März im Dauerbetrieb wird dabei mit dem Gas, das sonst in einer Heiztherme brennt, ein Motor in Bewegung gehalten, der einen Generator antreibt. Die Abwärme der Stromproduktion heizt das Gebäude, der Strom wird überwiegend (ohne Umweg über ein externes Netz) von den eigenen Maschinen verbraucht.

Im Sommer die Solarenergie - im Winter die Kraft-Wärme-Kopplung. Nur im Kopf hängen wir von Energiemonopolen und Netzwahnsinn ab. - Arno Tilsner

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