Bad Banks sind untote Überreste untergegangener Größen einer surrealen Finanzwirtschaft, hochgiftige Müllhalden, zum Überlaufen voll mit Minus-Milliarden, die aus dem Verkehr gezogen und verstaatlicht wurden, damit sie nicht die ganze Welt in eine Depression reißen. Über Jahrzehnte will man sie mit Hilfe von Inflation und Steuergeldern dekontaminieren, um die Überreste der Überreste irgendwann in einer nächsten Generation geräuschlos zu entsorgen.
Den Mechanismus selbst, mit dem Verluste des Kasino-Kapitalismus sozialisiert werden, während die Gewinne privatisiert wurden, will ich hier nicht weiter kommentieren. Wichtiger scheint es mir, ein paar Sätze über die Dimension zu schreiben, in der wir angekommen sind, wenn 55 Milliarden Euro unerkannt in einer staatlichen Bad Bank untertauchen können.

Zum Vergleich erinnere ich an den ersten nennenswerten Fall aus dieser jüngsten Reihe von Finanzkrisen: die Abwicklung einer Investmentgesellschaft namens Long-Term Capital Management (LTCM), die John Meriwether zusammen mit den beiden Wirtschafts-Nobelpreisträgern (!) Myron Samuel Scholes und Robert C. Merton 1998 als Folge von Fehlspekulationen auf den Ruin zu führten.

In einer dramatischen Rettungsaktion unter der Leitung der New Yorker Zentralbank wurde mit dem Nachschuss von ca. 4 Milliarden US-Dollar im September 1998 eine Kettenreaktion im Weltfinanzsystem verhindert.
13 Jahre später sind unerfüllbare Verpflichtungen aus Fehlspekulationen bei einer einzelnen deutschen Großbank in eine Dimension gewachsen, dass man bei ihrer Bad Bank mehr als das 10fache des 1998 notwendigen Rettungsbedarfs als unbemerkten Rechenfehler verstecken kann.

Nicht der 10 fache Betrag wird gebraucht, um die Fehlspekulation auszugleichen. Der 10 fache Betrag fällt in der immensen Dimension der angehäuften Minus-Milliarden als Rechenfehler nicht mehr unmittelbar auf.
Fazit: auch ein in eine unendliche Dimension gehebelter staatlicher Rettungsschirm wird die selbstzerstörerische Gier dieses entfesselten Welt-Finanz- Systems nicht bändigen. Wir (die Völker) werden ihm staatliche Fesseln anlegen müssen, statt es endlos mit neuen Milliarden zu füttern. Besser heute als morgen. - Arno Tilsner

Autor:

Archivtexte Presseausweis

Weitere Beiträge 2011