In gut einem halben Jahr steht in Münster der nächste Wahlgang an. Am 25. Mai 2014 sind Kommunal- und Europawahlen. Zur gerade abgehaltenen Bundestagswahl hatten wir unter dem Motto "Geht wählen!" aufgerufen. Für die Diskussion zu Themen des kommenden Urnengangs möchte ich unter dem Eindruck des Fluchtreflexes in eine große Koalition ein etwas geändertes Motto vorschlagen: "Wir haben jeden Tag die Wahl!"

Damit lade ich ausdrücklich auch diejenigen zum Mitlesen ein, die in einer Stimmabgabe keinen Sinn (mehr) sehen. Wenn es so ist, wie der Deutschlandtrend die Stimmung unter den Deutschen erhoben hat, dann wünscht man sich hierzulande mit großer Mehrheit eine Regierung ohne Opposition, die mit einer CDU-Kanzlerin einen guten Teil von dem verwirklichen soll, was SPD und Grüne im Wahlkampf gefordert haben. Das klingt in meinen Ohren nicht nach Stabilität, sondern nach Quadratur des Kreises.

Tatsächlich kann man eine Kommunal- und Europawahl auch ganz anders interpretieren. Kommunal bin ich da, wo ich lebe. Wo in Europa ich lebe, kann ich heute freier wählen als zu jeder anderen Zeit in der langen Geschichte dieses Kontinents. Wir haben jeden Tag die Wahl, auch außerhalb von Parlamenten unser politisches Engagement zu verstärken, wenn wir den Eindruck gewinnen, dass in den Parlamenten vor allem die Stimmen von Funktionären und Lobbyisten Gehör finden. Machen wir also von unserer geschichtlich beispiellosen Freiheit Gebrauch.

Die Kommune Münster ist mein unmittelbarer Lebensraum seit 60 Jahren. Über die 6 Jahrzehnte ist die Stadt enger geworden. Mehr Menschen sind in kleinen Wohnungen dichter gepackt und schleusen sich mit größerer Geschwindigkeit durch ihre Straßen. Nicht, dass ich etwas gegen Geschäftigkeit hätte. Aber seit Jahren kommt für das Kommunale immer weniger dabei rum. Privater Reichtum und öffentliche Armut in Münster: eine Schere, die auseinander geht.

Wie können wir das ändern? - Arno Tilsner

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