Ruprecht Polenz

Ruprecht Polenz

Manche Erinnerungen aus der Kindheit begleiten uns ein Leben lang. Für viele gehört der Sankt Martins - Umzug dazu. Mit dem heiligen Martin hoch zu Roß und bunten Lampions. Dass er seinen Mantel geteilt hat, um die andere Hälfte einem Bettler zu geben, der in der Kälte bitterlich gefroren hatte, haben wir bis heute nicht vergessen.

Am 11. November haben in Münster wieder zahlreiche Sankt Martins - Umzüge stattgefunden und Kinder wie Erwachsene darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig es ist, mit anderen zu teilen.

Wenn es nach der Linkspartei geht, soll damit Schluss sein, jedenfalls in staatlichen Kindergärten und Grundschulen. Der münsteraner Landtagsabgeordnete der Linkspartei Rüdiger Sagel hat gefordert, statt dessen ein "Sonne-Mond-und-Sterne-Fest" mit den Kindern zu feiern. Staat und Religion seien zu trennen. Man dürfe muslimischen Kindern die christliche Tradition nicht aufdrängen.

Man fühlt sich unwillkürlich an die Geschichten über die "Jahresendflügelfiguren" erinnert. So sollen die kleinen geschnitzten Holzfiguren aus dem Erzgebirge in der DDR geheißen haben, weil man sie nicht Engel nennen wollte.

Natürlich sind bei uns Staat und Religion(en) getrennt. Aber das bedeutet nicht, dass der Staat zu Bilderstürmerei im öffentlichen Raum berechtigt oder gar verpflichtet wäre. Das Grundgesetz geht vielmehr von einer "positiven Neutralität" des Staates gegenüber den Religionen und Religionsgemeinschaften aus.

Christlich geprägte Traditionen gehören über den engeren Kreis der Gläubigen hinaus zur Kultur unseres Landes. Es hat nichts mit Toleranz zu tun, dagegen einen Kulturkampf zu beginnen. Im Gegenteil. Die Linkspartei spaltet mit ihrem Vorstoß und hat sich dafür ausgerechnet eine Tradition ausgesucht, die für Solidarität mit den Armen wirbt.

Was sagen eigentlich die Muslime dazu, die Sagel angeblich vor christlichem Einfluss schützen möchte? Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman A. Mazyek, sagte, es stelle für Muslime keinen Hinderungsgrund dar, an den Umzügen teilzunehmen, dass Sankt Martin ein katholischer Heiliger sei. "Das Leben des heiligen Martin ist doch geradezu vorbildlich, auch für Muslime."

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