Arno Tilsner

Arno Tilsner

Vor drei Wochen schrieb ich an dieser Stelle: "7 Milliarden Menschen, die jeden Tag unseren Planeten in rasantem Tempo verändern. Wie können wir mit den vielen unterschiedlichen Meinungen umgehen? Die Antwort bleibt die des Westfälischen Friedens: verhandeln, verhandeln, verhandeln. Und, damit eine glückliche Zukunft gelingt: mehr Geld für Bildung. weniger für Waffen und das überall auf der Welt". Der Text ist in dieser Woche aktueller denn je. Möge die Übung in der Ukraine gelingen.

Als ich vor drei Jahren begonnen habe, an autarken Energiesystemen auf der Grundlage von Sonnenschein zu arbeiten, wußte ich nicht, ob mir eine Selbstversorgung gelingen würde. Heute gibt es dazu Tatsachen: in Südspanien nahe dem 37. Breitengrad gelingt es, in Münster nahe dem 52. gelingt es nicht.

Hier im Norden leidet die autarke Energieversorgung mit Sonnenenergie unter dem gleichen Licht- und Wärmemangel, der uns Menschen im Winterhalbjahr zu schaffen macht, wenn wir vor die Tür treten. Nach scheinbar endlosen, kurzen Tagen mit wolkenverhangenem Himmel ist im Norden jeder Akku leer - im wirklichen und im übertragenen Sinne.

Mit 280 kWh Verbrauch in den 3 dunkelsten Monaten des Jahres ist die Netzunabhängige Stromversorgung im Süden Europas gelungen.

Das bedeutet nicht, dass Erkenntnisse, die wir mit der Strom- und Wärme liefernden Anlage im Süden sammeln, im Norden nicht für mehr Energieeffizienz nützliche Erkenntnisse liefern. Im Gegenteil: kommt der Strom nicht von den Stadtwerken oder einem anderen Rundum-sorglos-Versorger, lernt man wieder intelligent zu sparen. Licht ausschalten, wenn man einen Raum verlässt ist z.B. eine Möglichkeit, die nur die Investition von etwas Aufmerksamkeit fordert.

Richtig zur Sache geht es, wenn wir im Winter unsere Gebäude wärmen. Heizung ist nicht nur im Norden ein außerordentlich energiehungriger Verbraucher. Im Süden konnten wir die Aufgabe mit einer Kombination aus solarbetriebener Fußbodenheizung plus Solarstrom betriebener Luft/Luft Wärmepumpen-Heizung lösen ohne Gas, Öl oder andere fossile Brennstoffe einzusetzen.

Diese Erfahrungen liefern nun die Blaupause für eine ähnliche Kombination in Münster. Statt der Sonne erzeugt hier im Winter ein kleines Blockheizkraftwerk aus der Abwärme der Stromerzeugung warmes Wasser für die Fußbodenheizung. Wenn die Temperaturen nahe Null oder im Minusbereich liegen sorgt ein Teil des selbst erzeugten Stroms über Luft/Luft Wärmepumpen für die 2 oder 3 Grad mehr, die zu einem behaglichen Arbeits- und Wohnklima fehlen. Heute steht dieser Plan auf dem Papier. In meinem nächsten Presseausweis in 3 Wochen werde ich - wenn die Übung gelingt - über erste Praxiserfahrungen berichten. - Arno Tilsner

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