Ruprecht Polenz

Ruprecht Polenz

„Ich freue mich darüber, dass in Nordrhein-Westfalen in den kommenden Jahren wieder ein Katholikentag und ein Deutscher Evangelischer Kirchentag stattfinden sollen. Beide Veranstaltungen richten sich ganz besonders an junge Menschen und finden bundesweit große Beachtung. Erörtert werden soziale, kulturelle und ethische Fragestellungen und Werte unserer Zeit. Die Themen auf Kirchentagen sind regelmäßig auch für die Gesellschaft als Ganzes von Bedeutung. Deshalb möchte die Landesregierung beide Veranstaltungen unterstützen.“

Diese Sätze der SPD-Landesvorsitzenden und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft tun Münsters Sozialdemokraten weh. Hatten sie sich doch von den Grünen dazu zwingen lassen, einen finanziellen Zuschuss der Stadt Münster zu diesem Großereignis abzulehnen. Für die rot-grüne Landesregierung ist der Katholikentag im Jahr 2018 so wichtig, dass das Land bis zu 1,8 Mio Euro Unterstützung dafür gibt.

Die Stadt, in der der Deutsche Katholikentag stattfinden soll und die deshalb besonders davon profitiert, darf den Veranstalter mit keinem einzigen Euro unterstützen, damit die Gesamtkosten von 9,3 Mio € aufgebracht werden können. So haben es SPD, Grüne und Linke beschlossen und den Ratsantrag von Oberbürgermeister Markus Lewe abgelehnt, wonach Münster sich mit 1,2 Mio € beteiligen sollte. Stattdessen soll die Verwaltung mit dem Zentralkomittee der deutschen Katholiken über Sachleistungen verhandeln, die die Stadt ja kostenlos zur Verfügung stellen könne.

Schade. Zum 370jährigen Erinnern an den Westfälischen Frieden im Jahr 2018 hätte der Katholikentag, der ja auch ein gesellschaftspolitisches Großereignis in Deutschland ist, gut gepasst. Und wer darauf verweist, die Kirche solle sich doch um sich selber kümmern, vergisst, dass wir dem Engagement der Katholischen Kirche für die Gesellschaft in Münster viele Kindergartenplätze verdanken, die Alten- und Pflegeheime der Caritas, Engagement für Obdachlose und vieles andere mehr.

Unter der Überschrift "Der Geiz von Münster" kommentiert die Süddeutsche Zeitung die Haltung von SPD, Grünen und Linken: "Die Stadt Münster zahlt für den Katholikentag 2018 kein Geld - dieser Beschluss des Stadtrats ist so piefig wie provinziell. Der Zuschuss hätte ein Tausendstel des Haushalts betragen, darüber ist noch keine Stadt zugrunde gegangen. Der Geiz von Münster trifft auch nicht "die Kirche", sondern die Bewegung der katholischen Bürger und das zivilgesellschaftliche Engagement von Christen, ob für Flüchtlinge oder Frieden, fürs Soziale oder die Kultur. Er trifft eines der selten gewordenen Foren, auf denen über die Zukunft des Landes debattiert wird." - Piefig und provinziell. Dabei waren SPD und Grüne doch mit ganz anderen Zielen angetreten.

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