Ruprecht Polenz

Ruprecht Polenz

Am liebsten hätten SPD, Grüne und Linke dem Oberbürgermeister auch noch die Reisekosten nach Brüssel gestrichen. Jedenfalls soll es kein Geld für das Bürgerfest am 15. Mai geben, mit dem die Stadt die hohe Auszeichnung mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel feiern will. Man wolle dem Oberbürgermeister keine Plattform im Wahlkampf geben, war zu hören.

Die Europäische Kommission hatte das münstersche Rathaus zusammen mit dem Rathaus von Osnabrück als einen Ort gewürdigt, der für die Geschichte Europas von besonderer Bedeutung ist. Denn die "Rathäuser des Westfälischen Friedens" spielten als Verhandlungsort eine zentrale Rolle bei der Beendigung des 30jährigen Krieges im Jahre 1648.

Insgesamt 16 europäische Orte wurden vergangene Woche in Brüssel mit dieser seltenen Auszeichnung geehrt, die nicht nur - wie beim Weltkulturerbe der Unesco - dem Gebäude gilt. Getreu dem Motto "Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen" will das Europäische Kulturerbe-Siegel vor allem auszeichnen, was heute aus dem Erbe gemacht wird.

Münster und Osnabrück pflegen das Erbe als Friedensstädte in lebendiger und vielfältiger Form. Mit den jährlichen "Friedensgesprächen" in Osnabrück, mit dem alle zwei Jahre in Münster verliehenen "Westfälischen Friedenspreis" und der Veranstaltungswoche in Münster, die sich jedes Jahr im Oktober vor allem an Schulen und junge Menschen wendet und für Friedenspolitik in unserer Zeit wirbt.

Es sind also neben dem historischen Bauwerk vor allem die heutigen Aktivitäten der Stadt und vieler Bürger, denen die Auszeichnung mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel gilt.

Damit die Bürgerinnen und Bürger eine ihnen zugedachte Auszeichnung feiern könnten, wollte die Stadt deshalb ein Fest ausrichten. Aber SPD, Grüne und Linke legten sich quer und lehnten die von der Verwaltung beantragten Gelder ab. Auf dem Fest Anfang Mai hätte ja auch Oberbürgermeister Markus Lewe ein paar Worte gesagt - so kurz vor der OB-Wahl am 13. September.

Das kann ja heiter werden bis zum Herbst, wenn SPD, Grüne und Linke jetzt damit anfangen, jeden offiziellen Auftritt des Oberbürgermeisters in das Zwielicht eines unzulässigen Wahlkampfes zu rücken. Gerade so, als ob sich der Oberbürgermeister bis zum 13. September verstecken müsste und keine offiziellen Termine mehr wahrnehmen dürfte.

Übrigens: Gefeiert wird die Auszeichnung mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel trotzdem. Sponsoren sind für die Stadt eingesprungen. Am 15. Mai steigt das Fest auf dem Prinzipalmarkt. Und wie zu hören ist, wird auch Oberbürgermeister Markus Lewe begeistert mitfeiern und ein paar Worte sagen.

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