Ruprecht Polenz

Ruprecht Ploenz

Der Kita-Streik geht in die vierte Woche. Den Erzieherinnen und Erziehern geht es um eine angemessene Eingruppierung und höhere Besoldung. Bisher liegt ihr Verdienst zwischen 2.590 und 3.750 € im Monat. Die Leiterin einer Kita verdient bis zu 4.750 € im Monat.

Es ist nicht die Stadt Münster, die über Veränderungen verhandelt. Die Tarifauseinandersetzung findet statt zwischen den kommunalen Spitzenverbänden und der Gewerkschaft Verdi. Wie immer das Ergebnis ausfällt: die Stadt Münster wird es übernehmen.

Vor allem die betroffenen Eltern und ihre Kinder stellt der wochenlange Streik auf eine harte Probe. Die allermeisten von ihnen sind berufstätig und müssen wegen der geschlossenen Kitas andere Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder finden: Großeltern, Nachbarn, Freunde. Manche müssen Urlaub nehmen, um bei ihren Kindern bleiben zu können.

Das sind alles keine Dauerlösungen. Manche Väter und Mütter sind inzwischen ziemlich verzweifelt, weil sie nicht wissen, wie sie Kinder und Beruf miteinander vereinbaren sollen, wenn der Streik noch länger weitergeht. Und direkten Einfluss auf die Verhandlungen in Hannover können sie auch nicht nehmen.
Vor diesem Hintergrund hat sich Oberbürgermeister Markus Lewe entschieden, einen Antrag der CDU aufzugreifen und den Eltern wenigstens ihre Kita-Beiträge zurück zu geben. Schließlich erbringen die städtischen Kitas wegen des Streiks die damit bezahlte Gegenleistung ja auch nicht.

Man darf gespannt sein, ob Lewe dafür im Rat eine Mehrheit bekommt. Im Personalausschuss haben SPD und Grüne schon mal deutlich gemacht, dass sie dagegen sind. Aus der SPD hieß es, sozial Schwache würden davon ohnehin nicht von einer Rückerstattung profitieren, weil sie von den Beiträgen insgesamt befreit seien. Die Grünen meinten, mit einer Rückerstattung falle man den Streikenden in den Rücken.

Aber die Eltern sind doch nicht der Gegner in der Tarifauseinandersetzung, möchte man den Grünen entgegen halten. Und die SPD möchte man gern fragen, ob sie nur die Interessen sozial schwacher Eltern wichtig findet.
Bis zu einem Jahreseinkommen von 30.000 € werden keine Elternbeiträge erhoben. Ab dann zahlen Eltern 187 € (bis 60.000 €), 247 € (bis 75.000 €} oder 296 € (über 85.000 €) im Monat zuzüglich 60 € Essensgeld. Viele von diesen Eltern müssen sich jetzt während des Streiks mit Babysittern und anderen Lösungen behelfen, die zusätzlich Geld kosten. Sie können eine Erstattung gut gebrauchen.

Ganz abgesehen davon: Auch die Bahn hat den Ticketpreis erstattet, wenn der gebuchte Zug wegen des Lokführerstreiks ausgefallen war.

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