Stefan Bergmann

Stefan Bergmann

Erste Liga, eine Woche lang: Der öffentlich bejubelte Vorstoß eines multimillionen schweren Gönners, den Preußen ruckzuck ein tolles Stadion an die Hammer zu setzen, verschwand so schnell wieder in der Versenkung, wie er aufgetaucht war. Mit Verlaub: Da ist er gut aufgehoben, in der Versenkung. Ein völlig abwägiger Vorschlag, auf falschen Tatsachen beruhend, dilettantisch kommuniziert und dann auch noch blamabel wieder begraben.
Schon in Reutlingen, wo Walther Seinsch vor 14 Jahren ähnliches versuchte, scheiterte er am Unwillen von Stadt und Land. Leider hinterließ sein Vorstoß in Münster nur Verlierer.

Nur gut, dass Preußen gar kein erstligataugliches Stadion braucht. Denn so amateurhaft, wie die Mannschaft vor allem an den Saison-Enden spielt, wird sie so schnell nicht in Gefahr geraten, in die 1. Liga aufzusteigen.
Dann überlegen wir doch mal, was man mit den 20 Millionen von Herrn Seinsch in Münster anfangen könnte:

Den Schlossplatz bebauen:
Kein anderes Thema ist so frustig wie dieses. Die Kaufleute haben Planungen vorgestellt, einen Anstoß gegeben. Aber nichts passiert. Niemand fühlt sich zuständig, Niemand hat Visionen, die Politiker, die sonst zu allem eine Meinung haben, packen das Thema nicht an.

Sozialen Wohnraum schaffen:
Und den bitte nicht an den Außenrändern Münsters, wo man die sozial schwachen Menschen ja zum Glück nicht sieht. Sondern in der Innenstadt. Als Zeichen: Wir sind eine solidarische Stadt, Ihr gehört dazu. Zurzeit ist Münster ist nur schön, wenn man das nötige Kleingeld hat. Mit Hartz IV aber kriegt man im Innenstadtbereich noch nicht mal ne Garage gemietet.

St. Mauritz den Tunnel geben:
Nun, das Recht ist nicht auf der Seite der lärmgeplagten Anlieger der Umgehungsstraße. Sie ist, auch wenn sie demnächst vierspurig ist, einfach nicht laut genug. Aber wie wäre die Diskussion wohl geführt worden, wenn die Fraktionsspitzen von CDU, SPD und Grünen direkt neben der Ausbaustrecke wohnen würden?

Elektro-Tankstellen in der Innenstadt aufbauen:
Gibt' s in Köln, in Paris, in vielen mittleren Provinzstädten. Doch in der Klimahauptstadt Münster: Fehlanzeige.

Jedem Tempo-50-Verfechter in der Innenstadt ein Jahr lang die Knöllchen fürs Rasen-Dürfen bezahlen.
Dann wär endlich Schluss mit der egoistischen Tempo-Debatte.

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