Arno Tilsner

Arno Tilsner

Griechenland ist ein bedrückendes und warnendes Beispiel, wie hunderte Milliarden Steuergelder in die Fortführung eines Problems gesteckt werden können, statt in eine Lösung.
Ohne im einzelnen Schuld zuzuweisen, ist das Ergebnis für die politischen Entscheider/innen in Europa vernichtend.

Wir schulden den Griechen Dank, weil sie in einer ruhigen, demokratischen Abstimmung den übermächtigen “Institutionen“ (Europäische Zentralbank, Internationaler Währungsfond und Europäische Kommission) klar gemacht haben, dass es auf dem Weg der letzten Jahre nicht weiter gehen kann.

Wie es weiter gehen soll wissen die Griechen selbst nicht. Ihr Nichtwissen teilen sie mit den “Institutionen“, insbesondere auch mit Angela Merkel, die in einem abgehörten Telefongespräch schon 2011 bei der NSA zu Protokoll gegeben hat, sie wisse nicht, für welchen Weg im Umgang mit dem schon damals in der Schuldenfalle sitzenden Griechenland sie sich entscheiden soll. Sie hatte sich für den für sie scheinbar einfacheren Weg der konsequenten Verarmung der griechischen Bevölkerung entschieden. Ergebnis: 2015 sind die Probleme in und mit Griechenland größer als 2011. Die Ratlosigkeit auf allen Seiten ist es auch.

Ich habe nur wenige politische Konflikte in den letzten 50 Jahren derart in Zeitlupe auf alle Beteiligten zulaufen sehen, wie diese über Monate eskalierte Zahlungsunfähigkeit im Herzen der europäischen Demokratie. Das täglich über alle Kanäle zur Schau gestellte „wir haben die Probleme im Griff“-Gerede ist am Ende nichts wert. „Haben“ wird durch „hätten“ ersetzt. Statt Problemlösung gibt es Schuldzuweisungen.

Währenddessen sitzen 11 Millionen Griechen fester in der EURO-Schuldenfalle als je zuvor. Ohne Schuldenschnitt (Verzicht der Kreditgeber auf ganze oder teilweise Rückzahlung) wird es keinen Neustart geben. Alle Beteiligten wissen das.

Yanis Varoufakis hat diese ökonomische Binsenweisheit im Kreis seiner Ministerkollegen immer wieder ausgesprochen. Dafür ist der Ökonomie-Professor mit Lederjacke aus dem Amt geflogen. Niemand im feinen Club der Institutionen wollte mit diesem Typen weiter verhandeln.

Mir fällt dazu ein Song ein, den JOHN LENNON 1970 geschrieben hat, der durch Marianne Faithful weltbekannt wurde und so endet:

„Keep you doped with religion and sex and TV
And you think you're so clever and classless and free
But you're still fucking peasants as far as I can see
A working class hero is something to be
A working class hero is something to be
There's room at the top they're telling you still
But first you must learn how to smile as you kill
If you want to be like the folks on the hill
A working class hero is something to be
A working class hero is something to be
If you want to be a hero well just follow me
If you want to be a hero well just follow me“

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