Stefan Bergmann

Stefan Bergmann

„Die Akte zum Plagiatsfall ist geschlossen.“ „Mit weiteren Fällen rechnet (…) er nicht.“

Dies sind Sätze aus einer Verlautbarung der Uni Münster aus dem Jahr 2011. Wir alle wissen, was kam: Danach wurde die Akte wieder aufgemacht, inzwischen sind es 30 Doktorarbeiten, in denen die Schreiber geschummelt, getrickst, abgeschrieben und damit schlicht: betrogen haben sollen.

Der Doktortitel wird mit großem Pomp und akademischer Feier übergeben. Doch wenn ein überführter Betrüger seinen Doktortitel abgeben muss - dann will das die Uni auch weiterhin geheim halten. Wie passt das zusammen?
Gar nicht. Die Aberkennung eines Doktortitels sei eine Personalangelegenheit, argumentiert die Uni. Personalangelegenheiten seien immer nicht-öffentlich. Diese Argumentation ist nicht haltbar. Denn wenn einer Personalangelegenheit ein strafbares Verhalten zugrunde liegt, und sie auch noch exemplarisch stehen könnte für andere Täter, oder sie symptomatisch für das in einigen Bereichen offenbar nachlässige System der Dissertations-Begutachten steht: Dann wird das Private öffentlich.

Wer sich öffentlich für Erfolge feiern lässt, muss es dulden, dass ihm dieser Erfolg auch öffentlich auch wieder aberkannt wird, wenn er ihn nur feiern konnte, weil er betrogen hat.

Die Uni hat daran natürlich kein Interesse. Denn die Plagiatsvorwürfe kratzen erheblich am akademischen Image. Und jede Veröffentlichung verstärkt den Eindruck, dass bei manchen Doktorvätern, nun, sagen wir: der Schlendrian Einzug gehalten hat.

Läuft etwas falsch, dann hoffen Unternehmen immer mit der Erklärung durchzukommen: „War ein Einzelfall. Wird nicht wieder vorkommen.“ Denn nichts ist schlimmer, als dass ein Fehler Methode hat.Die Uni kommt mit der Einzelfall-Begründung nicht durch. 2011 konnte sie noch darauf hoffen. Doch schon bald war klar, dass viele der ehrenwerten Professoren in ihrer Hybris der Unantastbarkeit den Begriff der „akademischen Freiheit“ wohl zu weit interpretiert hatten. Sie nahmen sich die Freiheit, nachlässig zu arbeiten. Wird schon keiner merken.

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