Ruprecht Polenz

Ruprecht Polenz

Münster wird in diesen Tagen dem Ruf als Friedensstadt gerecht. Viele hundert ehrenamtliche Helferinnen und Helfer kümmern sich um die inzwischen über 2.000 Flüchtlinge, die vor Krieg und Bürgerkrieg, Elend und Armut Zuflucht in Deutschland gesucht und in Münster Zuflucht gefunden haben. Bis Ende des Jahres werden es insgesamt 2.500 sein, 1.000 mehr als letztes Jahr.

Natürlich gab es auch in Münster Diskussionen über den einen oder anderen der vielen, dezentral über das ganze Stadtgebiet verteilten Standorte für Flüchtlingsunterkünfte. Die Politik, allen voran Oberbürgermeister Markus Lewe, aber auch alle Fraktionen im Rat der Stadt und in den Bezirksvertretungen haben Rede und Antwort gestanden und die Fragen der Bürgerinnen und Bürger beantwortet und immer wieder die Notwendigkeit zur Hilfe betont.

Sozialdezernent Thomas Paal, sein Hilfsdezernent Jochen Köhnke und Dagmar Arnkes-Homann, die Leiterin des Sozialamts werden nicht müde, immer wieder auf Bürgerversammlungen die Flüchtlingspolitik der Stadt zu erklären und dafür zu werben. Kirchengemeinden, Nachbarschaftsinitiativen und Sportvereine engagieren sich und helfen mit. Die Gemeinnützige Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender e.V. (GGUA) bietet fachlichen Rat und Unterstützung.

Dabei geht es um mehr, als um Verpflegung und ein Dach über dem Kopf. Ziel der Flüchtlingspolitik muss es sein, den Flüchtlingen dabei zu helfen, auf eigenen Füßen zu stehen und sich in Deutschland eine Existenz aufzubauen. Es hat (zu) lange gedauert, bis die Bundespolitik dafür die Voraussetzungen wenigstens erleichtert hat.

Das Erlernen der deutschen Sprache ist eine wichtige Voraussetzung. Aber auch mit Englisch-Kenntnissen könnten Flüchtlinge nach der vorgeschriebenen Wartezeit von drei Monaten in manche Arbeitsplätze vermittelt werden. Seit neuestem dürfen Flüchtlinge auch Praktika absolvieren. Für manche vielleicht der erste Schritt in den späteren Beruf.

Flüchtlinge dürfen auch Ausbildungsverträge abschließen. Bei 1018 freien Ausbildungsplätzen in Münster, denen noch 672 unversorgte Interessenten gegenüberstehen, sollten geeignete Flüchtlinge gezielt auf diese Möglichkeit hingewiesen und in die offenen Ausbildungsstellen vermittelt werden.

Sicher verursachen die Unterbringung und Verpflegung der Flüchtlinge im Augenblick beträchtliche Kosten. Aber das muss nicht so bleiben. Ende der 70er Jahre hatte Münster vietnamesische Flüchtlinge aufgenommen, die als sog. boat-people von der Cap Anamur vor dem Ertrinken gerettet worden waren. Sie alle wurden auf diese Weise integriert und haben sich eine eigene Existenz aufgebaut. Manche haben selbst Arbeitsplätze für andere geschaffen. An diese guten Erfahrungen sollten wir uns erinnern.

Autor:

Archivtexte Presseausweis

Weitere Beiträge 2015