Stefan Bergmann

Stefan Bergmann

Natürlich hat Markus Lewe keine 16.608 Arbeitsplätze geschaffen seit 2009, wie er auf seinen Plakaten behauptet. Es war die boomende Wirtschaft, die investierte. Es war der Stadtrat, der die richtigen Entscheidungen fällte. Mal haben die Grünen zugestimmt, mal die Roten, häufig die Schwarzen. Aber Markus Lewe behauptet es einfach. Und natürlich niemand macht sich die Mühe, ihm das Gegenteil zu beweisen.
Damit macht Lewe vielleicht den schlausten Wahlkampf aller Kandidaten. Statt sich an Missständen abzuarbeiten, sich auf Podiumsdiskussionen, deren Verlauf er nicht in der Hand hat, zerreiben zu lassen, behält er die Themen in der Hand, in dem er sagt, was er macht und was nicht. So kann er offener Kritik aus dem Weg gehen. Er macht nichts, und macht deswegen nichts falsch. Markus Lewe ist die Angela Merkel Münsters. Und er spielt die Rolle gut.
Und die anderen? Machen die Kärrnerarbeit, sie sind die Angreifer. Eilen von Veranstaltung zu Veranstaltung, diskutieren, debattieren. Sie arbeiten sich ab an Lewe, der jegliche Kritik an sich abtropfen lässt. Oder, besser gesagt: Es gibt überhaupt keine Gelegenheit, sie ihm mitzuteilen. Denn er trifft ja mit seinen Konkurrenten überhaupt nicht zusammen, außer zu einer einzigen Podi-
iumsdiskussion.
Es ist, wie es ist: Oberbürgermeisterwahlen sind Personenwahlen. Inhalte: Unwichtig. Es geht um Sympathie, um den Wohlfühlfaktor.
Eine weitere große Podiumsdiskussion gibt es übrigens noch: Die 25 Bürgerinitiativen, die sich jüngst zusammengeschlossen haben zu einer außerparlamentarischen Opposition, haben alle Kandidaten eingeladen (Donnerstag, 3. September, 19 Uhr, Jovel. Eintritt frei). Alle - außer Lewe natürlich - kommen. Sie stellen sich der Kritik - wohl wissend, dass sie - genau wie Lewe - mit dem derzeit herrschenden, zerfaserten, zerstrittenen und höchst volatilen Stadtrat nicht regieren und nichts durchsetzen können. Also: Wählen Sie, wer am nettesten lächelt. Inhalte gibt’s erst wieder bei der Kommunalwahl. - Stefan Bergmann

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