Stefan Bergmann

Stefan Bergmann

56 Millionen Euro soll die Einrichtung einer zweiten Gesamtschule in Münsters Osten kosten. Allein 45 Millionen davon will die Stadt in einen Neubau investieren. Der Rest fließt unter anderem in die jetzige Fürstin-von-Gallitzin-Schule, die später Teil der neuen Gesamtschule werden soll.

45 Millionen - das ist für eine Stadt, die bald 800 Millionen Euro Schulden haben wird, eine ganze Menge Geld. Einst tönten Politiker und Verwaltung, dass die Stadt ab dem Jahr 2020 keine neuen Schulden mehr aufnimmt. Von diesem Ziel will jetzt niemand mehr etwas wissen. 119 Millionen Euro neue Schulden kommen allein bis 2019 dazu. Sparen - ja bitte. Aber nicht, wenn wir dafür von unseren geliebten Münster-Super-Standards Abschied nehmen müssen. Das wäre noch einsehbar, wenn es die Bürger direkt merken würden, dass etwas billiger gebaut wird als eigentlich gewünscht. In Kindergärten zum Beispiel, oder in Schulen. Doch Münster Politik quer durch alle Parteien (außer der FDP) kneift auch, wenn es um 08/15-Gebäude geht, wie beispielsweise ein Feuerwehrgerätehaus.
Bei großen Bauprojekten legt die Stadtverwaltung seit rund zwei Jahren immer zwei Bauvarianten vor: Eine Luxus-Variante, und eine 30-Prozent-Reduktionsvariante. Sie ist billiger, weil die Standards runtergeschraubt werden.
Beim Feuerwehrgerätehaus in Kinderhaus hatte es die Verwaltung gewagt, eine Billig-Variante vorzuschlagen, die Stahlblech statt gemauerter Wände vorsieht. Auch die Einfahrtstore sollten etwas billiger sein. Ein Sturm der Entrüstung fegte über die Planungsabteilung der Stadt hinweg. Die Hobby-Politiker diskutierten, als hätte man vorgeschlagen, das Gerätehaus aus Euro-Paletten zu bauen. Das Ergebnis: Sparen in Kinderhaus? Nie und nimmer. Es gibt natürlich Mauersteine, und die teuren Falt-Tore.

So geht das halt: Sobald man dem Bürger Einschnitte erklären muss, kneifen alle.
So warten wir also gespannt ab, ob der Architektenwettbewerb für die neue Gesamtschule im Osten eine Voll-Variante und eine kostenreduzierte Variante hervorbringt. Aber vielleicht löst sich das Problem auch von selbst: Wenn angesichts der desaströsen Haushaltszahlen Münster ab 2017 unter die Haushaltssicherung des Landes rutscht - dann ist Schluss mit munterem Geldausgeben. Die Kommunalaufsicht der Bezirksregierung ist bekannt dafür, dass sie schon ganz andere Kommunen zur Räson gebracht hat, die nicht vorhandenes Geld mit vollen Händen ausgegeben haben. Und Münsters Rat hat dann einen Buhmann: Das Land zwingt uns zum Sparen…wir wollten das ja gar nicht. Stimmt! - Stefan Bergmann

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