Ruprecht Polenz

Ruprecht Polenz

"Wir führen seit dem vergangenen Jahr mit der Regierung Namibias einen vertrauensvollen Dialog über einen gemeinsamen Umgang mit der schmerzvollen Geschichte der Kolonialzeit. ... Unser Ziel ist es, in den weiteren Gesprächen mit der namibischen Regierung eine gemeinsame Bewertung der Vergangenheit vorzunehmen und Wege zu identifizieren, auf dieser Grundlage Vorstellungen für die Gestaltung der bilateralen Beziehungen zu entwickeln.“
Mit dieser Erklärung hat mich Außenminister Steinmeier vor ein paar Tagen zum Sondergesandten der Bundesregierung für diese Gespräche berufen. Ich freue mich auf diese schwierige Aufgabe, die auch einen ziemlich direkten Bezug zu Münster hat.
Am Ludgeriplatz erinnert ein steinerner Obelisk an das westfälische Trainbataillon Nr. 7, das nicht nur am 1. Weltkrieg, sondern auch bei der grausamen Niederschlagung des Herero- und Nama-Aufstands in Deutsch Südwestafrika, dem heutigen Namibia, beteiligt war. "Es starben den Heldentod für Kaiser und Reich in Deutsch Südwestafrika ..." erinnert eine verwitterte Tafel auf dem Boden vor dem Denkmal an den Tod von zwei Soldaten.
In den 80er Jahren gab es im Stadtrat eine Debatte darüber, ob das Train-Denkmal so "unkommentiert" bleiben dürfe. Es verschweige die grausame Vorgehensweise der deutschen Truppen und die 60 - 80.000 Opfer der Herero und Nama, darunter viele Frauen und Kinder, die nach der Schlacht am Waterberg 1904 in die Omaheke-Wüste getrieben wurden und dort verhungert und verdurstet waren. Die GAL stellte dazu einen Antrag, mit dem deutlich gemacht werden sollte, dass die deutschen Truppen damals einen Völkermord begangen hatten.
Mit dem Argument, man müsse das Denkmal aus der Zeit seiner Errichtung verstehen und als Zeitzeugnis betrachten, habe ich seinerzeit zu denen gehört, die diesen Antrag abgelehnt haben. Das war ein Fehler.
Inzwischen wurde an der Promenade eine Tafel angebracht, auf der die Entstehungsgeschichte des Train-Denkmals erläutert wird und es heißt: "Wir gedenken der zehntausenden Toten der unterdrückten Völker. Im heutigen Namibia wurden viele Herero-Familien in die Wüste gezwungen, wo sie elend zu Grunde gingen. Vom Heldengedenken zum Opfergedenken."
"Deutschland soll leben, auch wenn wir sterben müssen", lautet die Inschrift am Kriegerdenkmal in Hamburg Dammtor. Heute steht dort in Sichtweite auch ein Denkmal "Gegen den Krieg" von Alfred Hrdlicka.
Wie wäre es, wenn man auch in Münster einen Künstler beauftragen würde, ein solches "Gegendenkmal" zu schaffen? Vielleicht einen Künstler aus Namibia? Die große Skulpturausstellung 2017 wäre eine gute Gelegenheit dafür.

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