Arno Tilsner

Arno Tilsner

Kühlen Kopf bewahren und konstruktiv im Sinne eines friedlichen Miteinanders auf dem Planeten weiter machen, darum geht es jetzt.
Terroristen - in zivilisierten Staaten wie Frankreich und Belgien - fängt man - und wehrt neu hinzukommende ab - mit Polizisten und Kriminalisten, nicht mit dem Militär.
Es nützt keinem der von wie auch immer motivierten Verbrechern in Paris Getöteten und Verletzten, wenn am nächsten Morgen in einer spontanen Reaktion französische Kampfbomber die IS-Hauptstadt Rakka bombardieren.
„Auge um Auge, Zahn um Zahn“, ist altes Testament in kontextloser Auslegung. Mit seinem persönlichen Einsatz brachte Jesus Christus die Menschheit vor 2.000 Jahren genau in diesem Punkt ein bedeutendes Stück weiter. Matthäus zitiert ihn in der Bergpredigt mit den Worten: „Ihr habt gehört, dass den Alten gesagt ist: ,Auge um Auge, Zahn um Zahn'. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin" (Mt 5,38 f.).
Wer seine Wurzeln in der Zivilisation des christlichen Abendlandes sieht, muss - bei allem Respekt - mehr drauf haben als der französische Präsident in diesen Tagen. Seine Rede von einem Krieg, in dem sich Frankreich seit den Anschlägen vom Paris befinde, ist so nicht widerspruchslos hinnehmbar.
Sie erinnert fatal an die Anfänge des von den Amerikanern ausgerufenen Krieges gegen den Terror, in dem bis heute die 3.030 Toten des 9/11 in New York mit 1,3 Millionen Toten (!) vornehmlich in Afghanistan, Pakistan, Irak und Syrien vergolten wurden.
So geht moderne, christlich geprägte Zivilisation nicht. Das ist ein unentschuldbarer Rückfall hinter das, was Generationen in Europa erfolgreich aufgebaut haben.
Statt die westlichen Werte zu verteidigen beeilt sich Hollande - angesichts der Taten von Mördern mit Schusswaffen und Sprengstoff - sie 4.000 km vom Tatort entfernt mit Bomben und Raketen tausendfach an Sprengkraft zu übertreffen.
Ich bin froh, dass die Regierung Merkel sich bis heute (Dienstagmorgen) dem Ruf nach Krieg verweigert. Darin müssen wir alle sie mit aller Kraft unterstützen. Augen um Auge ist keine Option.
Tausend arabische Augen für eins auf dem Hoheitsgebiet westlicher Werte fällt weit hinter das Alte Testament zurück. Ghandi, um einen Pragmatiker der Neuzeit zu zitieren, der als politischer Anführer seines großen Landes den Kolonialismus des Britischen Empires überwunden hat, bemerkte dazu: „Auge um Auge lässt die Welt erblinden" (*) - Arno Tilsner

(*) (UniSpiegel der Uni Heidelberg, Ausgabe 3/2003)

Autor:

Archivtexte Presseausweis

Weitere Beiträge 2015