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Liebe Leserinnen und Leser, die Wohnungsnot in Münster

Liebe Leserinnen und Leser,
die Wohnungsnot in Münster wird auch 2019 das Thema in unserer Stadt bleiben. Menschen mit normalen und kleineren Einkommen haben kaum Chancen, bezahlbare Wohnungen in der Stadt zu finden und werden ins Umland abgedrängt. Das gilt sowohl für die, die an Eigentum denken, aber an Quadratmeterpreisen von 5000 oder 6000 Euro verzweifeln, aber auch für die, die zur Miete wohnen.

Da ist es gut, wenn die Kasernenflächen in Gremmendorf und Gievenbeck zu Wohngebieten werden, könnte man meinen. Leider hat auch das einen Haken: Nicht nur, dass die Stadt die Flächen wegen jahrelanger Verzögerungen bei den Verhandlungen viel zu spät und zu teuer gekauft hat. Schlimmer noch sind die Festlegungen, die die schwarz-grüne Ratsmehrheit für den Verkauf getroffen hat. Die Grundsätze der „sozial gerechten Bodennutzung“ finden keine Anwendung auf die Flächen. Danach hätte für die Gesamtfläche (nicht nur für die von der städtischen Wohnungsgesellschaft Wohn- und Stadtbau, sondern auch für die Flächen privater Investoren) ein Grundsatz gegolten: 60 % der Wohnungen hätten Sozialwohnungen oder Wohnungen mit Preisdeckelung sein müssen. Kommt jetzt aber anders: Der Stadtkämmerer freut sich öffentlich, dass beim Verkauf „ein kleiner Gewinn“ und keine Null herauskommen soll. Das ist für alle Wohnungssuchenden eine schlechte Nachricht: Das sind 600 Sozialwohnungen in unserer Stadt weniger als möglich wären, und für alle heißt das: Es wird teuer. Das ist kein Naturgesetz oder der freie Markt, der das regelt, sondern eine politische Entscheidung zugunsten von Privatinvestoren und gegen preiswerte Wohnungen. Und das ist besonders ärgerlich, weil der Bund gerade seine Verkaufspolitik ändert und die Stadt beim Bau von Sozialwohnungen sogar nachträglich noch Rabatte auf den Kaufpreis bekommen könnte.

Noch ungünstiger ist etwas anderes: Viele erinnern sich noch an die Debatte über eine Zentrale Ausländerbehörde, deren Ansiedlung in Münster den raschen Freizug der Kasernenflächen im letzten Jahr angeblich möglich machen sollte. Zwölf Monate später sind wir auch da schlauer: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gibt seine Außenstelle und die Räume auf. Entstehen jetzt Wohnungen dort schnell? Natürlich nicht. Jetzt zieht – kein Scherz – erstmal die Stadtverwaltung selbst ein mit dem Grünflächenamt. Man braucht dringend Büros und findet sonst keine. Das ist Münster im Jahr 2019: Alle reden von der Wohnungsnot und bezahlbaren Wohnungen, aber wenn es darauf ankommt, gibt es garantiert immer etwas, was gerade wichtiger ist: Investoreninteressen und Renditeerwartungen oder eben Büros. Am Ende aber ist es eine Frage der Prioritäten und damit einer der Politik, die in unserer Stadt gemacht wird.

Autor: Michael Jung

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