Mal angenommen, es gäbe

weder die Autobahn A 1 (Hansalinie), noch die A 43, und am Hauptbahnhof Münster würden nur Regionalzüge halten. Münster wäre abgehängt. Ich bin sicher, die ganze Stadt würde Druck machen, dass sich das schleunigst ändert.

Deshalb verwundert mich, mit welcher Ruhe - besser Bierruhe - die Menschen in Münster mit der Tatsache umgehen, dass in Sachen Internet unsere Stadt in ähnlicher Form abgehängt ist. Mal gerade 11% der von Stadt und IHK befragten Unternehmen können über Glasfaser ins Internet gehen. Aber 20% der Unternehmen haben einen Bedarf von „mindestens“ 500 Mbit/s, so citeq im Januar 2018 in einem Bericht an den Rat.

Wie sich mangelhafte Internet-Verbindungen auswirken können, beschreibt citeq an einem Beispiel: „Das Gut Havichhorst in Münster hat durch viele Tagungen, Feste und Events einen hohen Breitbandbedarf. Die aktuelle Anschlussqualität liegt allerdings nur bei maximal 2 Mbit/s und ist in der heutigen Zeit nicht mehr ausreichend. Dies könnte zu einem mittelfristigen Kundenrückgang führen.“

Das WIRD zu einem Kundenrückgang führen, möchte man rufen. Es ist zwar wichtig, bei der Ausbau-Planung mit Glasfaser an Gewerbegebiete zu denken. Trotzdem darf dabei das übrige Stadtgebiet nicht vergessen werden. Aber diesen Eindruck kann man gewinnen, wenn man liest, mit welcher Zufriedenheit die Stadtverwaltung vermerkt, dass über 91% der Haushalte eine Anschlussqualität von mindestens 50 Mbit/s hätten. Schließlich würden die Kreise des Münsterlands diese Werte nicht erreichen.

Schlimm genug, denn auch dort ist man darauf angewiesen, schnelles Internet „bis zur letzten Milchkanne“ zu haben. Aber Münster steht vor allem im Wettbewerb mit Städten, die über eine wesentlich bessere Internet-Infrastruktur verfügen.

Längst nicht jedes Start up sitzt in einem Gewerbegebiet. Auch deshalb muss das ganze Stadtgebiet mit Glasfaser und schnellem Internet versorgt werden. Es fehlt an erkennbaren Anstrengungen, das zu tun. Es fehlen verbindliche Ausbaupläne, damit man weiß, wie lange es in Gievenbeck oder im Geistviertel noch dauert.

Die Stadtwerke Münster wollten in zwei Ausbaugebieten im Kreuz- und Hansaviertel ein flächen- deckendes Glasfasernetz bis in die Häuser verlegen. Aber nur, wenn sich rund 10 Prozent der Bewohner des Kreuz- und Hansaviertels für das neue Produkt entscheiden.

Es liegt auch an dieser Vorgehensweise, dass der Ausbau nicht vorankommt. Infrastrukturleistungen sind Vor-Leistungen. Wenn die schnellen Internet-Verbindungen verfügbar sind, werden sie auch genutzt werden. Schließlich hat man vor dem Bau der Hansa-Linie auch nicht gefragt, wieviele Autofahrer sie später benutzen würden.

Autor: Ruprecht Polenz

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