Es ist etwa einen Monat her,

Es ist etwa einen Monat her, da wurden durch die örtliche Presse Vorwürfe gegen Bürgermeisterin Karin Reismann (CDU) öffentlich gemacht. Der Sachverhalt ist keine Lappalie. Es geht um angebliche Beleidigungen gegen Bauarbeiter, die direkt in ihrer Nachbarschaft ein Haus sanieren. Die Darstellungen widersprechen sich. Die Arbeiter, ihre Chefs, einige Zeugen und auch der Hausbesitzer, eine Immobiliengesellschaft, behaupten unisono: Reismann und ihre Familie haben die Bauarbeiten blockiert, Gerüste umgeworfen, einen Arbeiter rassistisch beleidigt und ihn sogar mit dem Auto berührt, sodass er verletzt wurde. Karin Reismann selbst schildert die Vorfälle anders. Insbesondere die mutmaßliche Körperverletzung und die rassistischen Beleidigungen bestreitet sie und erstattete ihrerseits Anzeige wegen „Hausfriedensbruches“. Ganz klar: Es geht an die Ehre. Die Polizei bestätigte seinerzeit, dass Anzeigen gegen sie vorliegen. Das heißt freilich noch nichts, insbesondere kann man daraus nicht schließen, was wirklich passiert ist. Das muss wohl später ein Gericht klären.

Was ist seitdem geschehen? Nichts. Die üblichen Verdächtigen, die sich sonst immer zu Wort melden, gingen auf Tauchstation. Vom CDU-Kreisverband: Kein Wort. Vom politischen Gegner: Schweigen. Eventuell ein erneuter Bericht nach vier Wochen, der den Sachverhalt noch einmal aufgreift und Ermittlungsergebnisse erläutert? Fehlanzeige. Die Polizei hat die Anzeigen an die Staatsanwaltschaft weitergegeben, das bestätigte das Präsidium am Montag. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob es überhaupt einen Anfangsverdacht gegen Karin Reismann gibt. Es kann auch sein, dass sich alles in Luft auflöst.

Das Problem, das wohl alle haben: Karin Reismann vertritt die Stadt Münster seit Jahren als ehrenamtliche Bürgermeisterin. Sie ist omnipräsent. Wo ein oder zwei Promis in die Kamera lächeln, ist sie meist nicht weit. Doch auch ihr Engagement für den „normalen“ Bürger ist respektabel. Sie ist sich für nichts zu schade, und das ist positiv gemeint.

Umso schwerer wiegen die Vorwürfe, die noch immer bestehen und weder bestätigt noch ausgeräumt sind. Sie geht weiterhin ihren öffentlichen Terminen nach, repräsentiert die Stadt. Augen zu und durch, mag sie sich sagen. Ist das die richtige Strategie?

Es wäre besser, wenn Sie ihr Amt ruhen lassen würde bis zu abschließenden Klärung, um das Bürgermeisteramt nicht zu beschädigen. Denn das passiert gerade. Aus Reihen von Ehrenamtlichen ist zu hören, dass Sie sich am liebsten nicht mehr öffentlich mit ihr sehen lassen wollen, so lange nicht klar ist, was passiert ist.

Stellt sich der Verdacht als falsch heraus, kann es weiter gehen (wobei man sich schon fragen muss, ob es schlau ist angesichts der großen Vorbildfunktion einer Bürgermeisterin, Sachverhalte so eskalieren zu lassen). Spätestens jedoch, wenn die Staatsanwaltschaft ein Verfahren eröffnet - wer könnte sie sich dann noch als Bürgermeisterin der Friedensstadt Münster vorstellen?

Autor: Stefan Bergmann

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