Wer einmal im Polizeipräsidium war

Wer einmal im Polizeipräsidium war am Friesenring, der weiß, warum ein Neubau nötig ist. Ok, es regnet vielleicht noch nicht durch. Aber sehr viel mehr Komfort bietet der Bau nicht mehr (abgesehen von den Gewahrsams- und Ausnüchterungszellen. Die sind alle tiptop). Und so nimmt es kein Wunder, dass die Polizei nach einem neuen Standort sucht. Zumal auch noch das Geld vom Land vorhanden ist. Einziges Manko: Schnell zu Potte kommen. Daran kann man herumkritteln oder von „Geschmäckle“ reden. Wer aber einmal in einer Behörde gearbeitet hat, weiß, von welchen Zufälligkeiten es manchmal abhängt, ob Geld im Topf ist oder nicht. Und ist es da, sollte es tunlichst schnell ausgegeben werden. Denn Geld in den Haushaltstöpfen des Staates hat einen starken Fluchtinstinkt. Fühlt es sich nicht gebraucht, ist es - schwups - weg und wird für andere Zwecke verwendet. Ein Grundgesetz der Kameralistik, die vor allem deswegen für Behörden so toll ist, weil es nur einen findigen Haushalts-Beauftragten braucht, der seine vielen Töpfchen kennt - und weiß, welches Geld er von hier nach dort schleusen kann, wenn Not am Mann ist. Allerdings weiß meistens auch n u r er das.

Aber zurück zum Präsidium. Wenigstens bleibt uns die Outsourcing-Diskussion erspart. Ein Polizeipräsidium für Münster in Bösensell, das geht nicht. Und auch im Wolbecker Busch ist es undenkbar. Da kommen nur die hin, die die Polizei dort hinbefördert hat. Ins neue Gefängnis. Der Hafen sei ein guter Ort, finden viele. Nahe an der Autobahn, mitten in der Stadt und - es sei der Polizei gegönnt - generell eine sehr coole Location. Und die Zeiten von Anarchie, Alt-Industrie-Charme und ausbordenden nächtlichen Hasch-Parties an Lagerfeuern sind inzwischen auch vorbei. Große Teile des Hafens sind schick (und teuer), und diese Entwicklung geht weiter. Doch der Halb-Konsens bekam einen Dämpfer von Oberbürgermeister Markus Lewe. Er machte ein bisschen den Trump - und twitterte kurzerhand, dass der Hafen für „Vielfalt und kreative Nutzung“ stehe, aber nicht für ein Polizeipräsidium. Roma locuta, causa finita.

Nun kann man fragen: Kann Polizei nicht vielfältig sein, oder vielleicht auch kreativ? Und was ist eigentlich am neuen Stadthaus, das dort entstehen soll, so sonderlich kreativ? Aber man hat den Eindruck, dass Markus Lewe den Tweet schon kurz danach bereut hat, zumal auch alle Parteien es so absolut nicht sehen mögen. Na klar, man muss einen Standort suchen, sagen sie. Aber vielleicht kommt bei der Suche ja der Hafen raus. Nachtigall, ick hör Dir trapsen… Man sieht: Markus Lewe ist nicht der Papst, und so war der Tweet wohl eher eine Meinungsäußerung denn ein echtes Machtwort. Gut so. Denn wenn die Polizei schon auf der Straße immer weniger Respekt erfährt, dann sollte sie ihn wenigstens von der Politik bekommen.

Autor: Stefan Bergmann

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