Wer hätte das gedacht?

Wer hätte das gedacht? Mitten in Münster, in vermutlich einer der teursten Gewerbe-Lagen der Stadt baut der: WDR. Oder er lässt bauen und mietet, so genau wurde das nicht klar. Dass sich der öde Servatii-Park-Staubwüsten-Platz so lange im schnieken Münster halten konnte, nimmt sowieso Wunder.

Das schöne ist: Der WDR, das sind ja auch wir alle. Denn ein paar Cent von den leidigen GEZ-Gebühren fließen direkt nach Köln, und von dort noch ein paar wenige wohl direkt nach Münster. Der WDR ist seit 2018 von einem Sparprogramm gebeutelt, baut in den kommenden Jahren rund 500 von seinen über 4000 Stellen ab. Da nötigt einem ein Neubaubeschluss für das beliebte Landesstudio Münster doch einigen Respekt hat. Zwar gibt es zurzeit weder einen Entwurf noch eine Kostenschätzung des neuen Gebäudes; doch unterhalb eine zweistelligen Millionenbetrages dürfte an diesem 1A-Standort wohl nichts möglich sein. Die Stadt fordert - wie üblich - einen Architektenwettbewerb. Der allmächtige Gestaltungsbeirat wird angesichts der städtebaulichen Dominanz an prägnanter Stelle die Baukünstler vermutlich wieder drangsalieren und die Entwürfe glattschleifen - auf dass es nicht zu auffällig werde.

Aber zurück zum Bauherrn. Dass das Landesstudio jetzt einen solchen Neubau bekommt, ist auch als Versprechen in die Zukunft zu werten. Eine Zusammenlegung der Studios Münster und Bielefeld oder Münster und Dortmund dräute immer wieder mal als Befürchtung am Horizont, wurde letztlich aber nicht vollzogen. Der WDR begründet den Neubau auch damit, dass er neue Strukturen für die digitale Produktion benötigt. Das ist allerdings höchstens ein Zusatz-Argument. Viel schwerer dürfte wiegen, dass das jetzige Gebäude an der Mondstraße den morbiden Charm der 70er Jahre versprüht und inzwischen völlig überdimensioniert ist. Dass die Stadt auf das WDR-eigene Gelände an der Mondstraße schielt, um es zu kaufen und bebauen zu lassen, kommt hinzu. Und so könnte der Neubau am Servatiiplatz für den Sender vielleicht gar nicht so teuer werden. Den Gebührenzahler dürfte es freuen, kann doch so mehr ins Programm investiert werden. Auch das ist nötig.

Autor: Stefan Bergmann

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