Seit ich vor 7 Jahren mit einer selbstgemachten Energiewende

Seit ich vor 7 Jahren mit einer selbstgemachten Energiewende für die na dann... begann, fragte ich mich immer wieder, was die in vielen Bereichen weltmarktführende deutsche Industrie treibt, diesen Megatrend gründlich zu verpassen. Der elektrische Lieferwagen kam aus Frankreich, die Stromspeicher aus China, die Umspannung und Steuerung aus Holland. Lediglich die ersten (gebrauchten) Solarmodule stammten vom deutschen Ex-Weltmarktführer Solarworld. Mitten im Boom ging Solarworld pleite.

Die vielleicht einfachste Erklärung ist eine satte Überheblichkeit 'made in Germany'. Ihr Sinnbild: der Street-Scooter der Post. Ein elektrischer Lieferwagen aus deutscher Produktion. Wissenschaftler*innen der TH Aachen haben ihn entwickelt. Sie mussten zusammen mit der Post erst Autobauer werden, weil der Hoflieferant der Post das Konzept nicht auf die Räder stellen wollte. Mehr Widerstand gegen einen Trend geht kaum.

Bei VW verdiente man lieber klotzig weiter an der Lügengeschichte vom 'clean' Diesel. Als der Betrug in den USA aufflog, nahm die Wende Fahrt auf. Erst ging das Führungstrio Piëch/Winterkorn/Müller bei VW, im Mai Zetsche bei Daimler, am 18. Juli wird BMW einen Nachfolger für den wenig innovationsfreudigen Chef bestimmen. Die Zeiten ändern sich, auch weil Fridays for Future mächtig Dampf macht.

Mitten in alledem entstand unter der Leitung von Prof. Martin Winter ausgerechnet an der Uni Münster - weit entfernt von klassischen Standorten der deutschen Automobilindustrie - ein neues Institut: das MEET (Münster Electrochemical Energy Technology). Projektiert in 2008 nahm es schon 3 Jahre später den Betrieb auf. Von einer eigenen Batterie-Zellfertigung, für die die Forschung in Münster hätte wichtig sein können, wollte kaum ein Verantwortlicher in der deutschen Auto- & Zulieferindustrie etwas wissen. Also kooperierte man am MEET von Anfang an international. Die entwicklungshungrigen asiatischen Konglomerate hatten längst ihre Chancen im Wandel erkannt.

Nach 10 verlorenen Jahren kommt nun endlich auch die Politik in Deutschland in den Tritt. Unter dem Eindruck einer 'grünen Bewegung von unten' werden vom Staat 500 Millionen EUR in Forschung, Produktionsentwicklung und Recycling nachhaltiger Stromspeicher investiert. Federführend ist das MEET in Münster.

Ich bin begeistert, dass abseits vom Mainstream der Autoländer (Bayern, BaWü, Niedersachsen, Sachsen) diesmal die Forschungsförderung nach NRW geht, in die Provinz, dahin, wo Spitzenkompetenz gezeigt hat, wie schnell sie sein kann.

Ein echtes Zukunftsprojekt kommt in die Stadt! Tusch & Dank an alle Beteiligten in Wissenschaft und Politik für diese erstklassige Kooperationsleistung, die wir mit Freude und den besten Wünschen begleiten.

PS: Leider kommen grüne Akkus aus Münster - wahrscheinlich auch bei max. Entwicklungsgeschwindigkeit - für eine Energiewende in unserer Druck-Produktion zu spät. Wir werden versuchen, mit Wasserstoff rechtzeitig im Ziel zu sein.

Autor: Arno Tilsner

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