Wie nennt man das eigentlich,

Wie nennt man das eigentlich, wenn es für ein Verbrauchtsgut nur einen Anbieter gibt? Monopol. Monopole sind Mist, weil der Anbieter den Preis diktieren kann. Denn der Verbraucher hat nicht die Möglichkeit, woanders einzukaufen. Dann schauen wir doch mal, wie sich die Lage im Bereich „Sportkleidung“ in Münster darstellt. Es gibt ein paar kleine Fachgeschäfte (für Läufer, für Reiter, für Radsportler) und es gibt Karstadt-Sport. Damit das so bleibt, hat die Stadt Münster jahrelang alles gegeben. Die internationale Kette Decathlon wollte sich in Münster ansiedeln, an der Robert-Bosch-Straße. Die Stadt sagte „Nein“, sie wollte den Handel in der Innenstadt schützen. Also vor allem: Karstadt Sport. Denn Decathlon hat nicht nur Markenwaren, sondern auch Eigenmarken. Und dort ist es möglich, eine Familie mit drei Kindern komplett mit Sportschuhen, Hosen und Shirts auszustatten für rund 100 Euro. Es soll - auch in Münster - Familien geben, die nicht das Geld haben, dafür mehr auszugeben (aber gut, auch das immer wieder mal Thema in dieser Kolumne: SOLCHE Familien stehen eher nicht im Mittelpunkt der städtischen Politik). Die Stadt hat die Ansiedlung also verhindert, und schon damals, als der Autor dieser Kolumne noch bei der Münsterschen Zeitung arbeitete, führte er genau die heutigen Argumente an. Sie verfingen nicht. Jetzt hat aktuell die Sportkette Voswinkel Insolvenz angemeldet. Und damit schließt ein weiteres kleines Sportgeschäft in der Innenstadt. Es bleibt nur noch das erste Haus am Platz übrig. Und die kleinen verstreuten Sparten-Geschäfte mit ihrer High-End-Ware zu High-End-Preisen. Decathlon hat sich jetzt in Rheine angesiedelt. Gut zu erreichen für Münsteraner. In Münster ist der Sport-Markt tot. In einer 300.000-Einwohner-Stadt ist es weiterhin unmöglich, für 20 Euro ein paar Sportschuhe oder einen ordentlichen Badminton-Schläger für den elfjährigen zu kaufen, der mal dies, mal das ausprobieren möchte. Das hat der kurzsichtige münstersche Protektionismus bewirkt. Natürlich ist es vernünftig, nicht jedem ansiedlungswilligen Unternehmen eine Fläche außerhalb der Innenstadt anzubieten. Dass Münsters Innenstadt so gut funktioniert, ist auch ein Verdienst des konsequenten Einzelhandelskonzept. Doch der Sport-Bereich hat sich jetzt noch mehr zum teuren Quasi-Monopol entwickelt. Man sollte schon genau hinschauen, in welchem Bereich man protegiert.

Autor: Stefan Bergmann

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