Drum prüfe ewig, wer sich bindet,

Drum prüfe ewig, wer sich bindet, ob sich nicht noch was besseres findet. An diesen Spruch fühlte ich mich durch die Ratsdebatte über den Musik-Campus erinnert. „Standort weiter offen“ titelten die Westfälischen Nachrichen am nächsten Tag.

Worum geht es? Die Universität hat der Stadt angeboten, gemeinsam auf einem Grundstück der Universität am Coesfelder Kreuz einen Musik-Campus zu errichten, auf dem die Musikhochschule, die Westfälische Schule für Musik und das städtische Symphonieorchester untergebracht werden sollen. Die Synergieeffekte sollen nicht nur Kosten sparen, sondern dem Musikleben in Münster weit über die Stadtgrenzen hinaus neue Bedeutung verschaffen.

Münster bekäme nach jahrzehntelangen Bemühungen endlich eine Musikhalle, Stadt und Universität bekämen neue Kongressmöglichkeiten. Auf 17.500 Quadratmetern soll ein erweiterbarer Konzertsaal für rund 1200 Personen entstehen, außerdem ein Kammermusiksaal (400 Plätze), eine Pop-Bühne (200 Plätze) und eine Werkstattbühne (200 Plätze), dazu Proberäume.

Die Universität (sprich: das Land NRW) würde 2/3 der Kosten von geschätzt 200 Mio € tragen. Die jährlichen Betriebskosten von 2,1 Mio €, die bei den Beteiligten größtenteils schon heute anfallen, würden anteilig von Universität und Stadt getragen.

Ein Angebot also, das man nicht ablehnen kann, sollte man meinen. Doch in Münster ticken die Uhren nicht so schnell. Eine kleine Initiative trauert immer noch dem Schloßplatz als Standort für eine Musikhalle hinterher und hat neue Ideen dazu vorgebracht. Eine andere Gruppe möchte gern, dass der Hörster Platz für Musik und Kultur genutzt werden soll. In beiden Fällen müßte die Stadt wohl die ganze Finanzierung allein stemmen, denn die Universität hat klar gemacht, dass sie wegen der räumlichen Nähe auf den Standort am Coesfelder Kreuz fixiert ist.

Und der Rat? Die Grünen können sich nicht dazu durchringen, die Standort-Frage endlich zu entscheiden und grünes Licht für die weiteren Schritte zu geben. Er könne sich den Musik-Campus auch im Stadthafen 2 vorstellen, sagt ihr Fraktionsvorsitzender. Man fühlt sich daran erinnert, dass es die Grünen waren, die seinerzeit einen Bürgerentscheid zur Verhinderung einer Musikhalle auf den Weg gebracht hatten. Soll jetzt durch Zeitspiel derselbe Effekt erreicht werden?

Man sollte aus der unendlichen Geschichte um die Standortsuche nach einem neuen Preußen-Stadion lernen. Abgesehen von den Kosten: der Schlossplatz kommt wegen des Send nicht in Frage, und für den Hörster Platz mache ich jetzt auch mal einen Vorschlag: innenstadtnahe Wohnungen, einschließlich der vom Rat beschlossenen Quote an Sozialwohnungen.

Autor: Ruprecht Polenz

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