Liebe Leserinnen und Leser,

wer dieser Tage bei Immoscout oder auf anderen Portalen nach einer Wohnung in Münster Ausschau hält, der findet auch eine. Die Frage ist nur, zu welchem Preis. Es ist kein Problem, für 14 oder 15 Euro den Quadratmeter etwas zu finden. Leider kann sich das nicht jeder leisten. Niedrigere Preise sind derzeit auf den Portalen kaum im Angebot, die Wartelisten bei der Wohn- und Stadtbau und anderen Wohnungsgesellschaften sind endlos lang. Der Immobilienmarkt in Münster versagt jeden Tag aufs Neue.

Es ist wirklich an der Zeit, dass sich etwas grundlegend ändert. Zum einen hat der Rat gerade einen Beschluss gefasst, dass in Zukunft städtische Grundstücke verstärkt in Erbpacht vergeben werden sollen. Das geht in die richtige Richtung, aber auch nicht mehr als das. Andere Städte, zum Beispiel Bielefeld, haben schon lange festgelegt, dass städtischer Grund und Boden gar nicht mehr veräußert wird, um die Bodenspekulation einzudämmen. Zum anderen aber braucht Münster endlich eine handlungsfähige Wohnungsbaugesellschaft. In Deutschland und darüber hinaus ist das Mietniveau nur in den Großstädten erträglich, in denen es nennenswerten kommunalen Wohnungsbau gibt. Das ist eine entschieden politische Frage: Baut die Stadt selbst (oder eine Tochtergesellschaft)? Oder lässt sie bauen (so wie es jetzt von CDU und Grünen auf weiten Teilen der Kasernenflächen geplant ist)? Im zweiten Fall wird es immer teurer. Münster sollte also endlich eine solche Gesellschaft gründen, mit der man auch größere Flächen wie die Kasernen oder einen neuen Stadtteil entwickeln kann. Allerdings müsste eine solche Gesellschaft über genügend Eigenkapital verfügen, und das geht nicht nur über Zuschüsse aus dem städtischen Haushalt. Deswegen bietet sich eine andere Möglichkeit an: Über Genussscheine, also festverzinsliche Wertpapiere, könnte eine solche Gesellschaft auch Bürgerinnen und Bürger, die Spargeld anlegen wollen, am Wohnungsbau beteiligen. Für einen mäßigen Zinssatz (besser als Null für die Anleger, aber auch niedriger als die Mondrenditen, die einige sich am frei finanzierten Wohnungsmarkt sichern) könnte sich jeder beteiligen und so z.B. für’s Alter vorsorgen. Im Ergebnis würden so unter städtischer Regie bezahlbare Wohnungen entstehen können, die der freie Markt nie bauen wird. Die Stadt sollte jedenfalls keinen Boden mehr aus der Hand geben, und eine handlungsfähige Wohnungsbaugesellschaft haben, die bezahlbare Wohnungen baut. Da stehen politische Grundsatzentscheidungen an, in welche Richtung wir die Stadt weiterentwickeln wollen.

Die CDU hat, das ist vielleicht eine Anmerkung wert, sich dieser Tage auch positioniert. Im neu gewählten Parteivorstand in Münster steht jetzt ein Immobilienmakler an der Spitze, und zwei weitere sitzen im Vorstand. Das ist ja auch mal eine knackige Ansage.

Autor: Michael Jung

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