Am Freitag (29.11.) 12 Uhr vor dem Hauptbahnhof,

Am Freitag (29.11.) 12 Uhr vor dem Hauptbahnhof, liebe Leserinnen liebe Leser, nächster, großer Streik für Klimagerechtigkeit, in Münster unter dem Motto: 'Münster kann mehr'.

Im 3. Abschnitt unserer kleinen Bildungsreise möchte ich die aktuelle Frage in den Mittelpunkt stellen: Wo ist Greta? Die gesamte Weltöffentlichkeit kann sich auf sailing-lavagabonde.com über den aktuellen Stand ihrer Atlantiküberquerung informieren.

Nach 14 Tagen haben die Seglerinnen und Segler mit dem Reisekatamaran ca. die Hälfte der Strecke zwischen USA und Europa zurückgelegt. Greta wird bei passendem Wind an der zweiten Hälfte der UN-Klimakonferenz in Madrid teilnehmen können.

Um es vorab zu schreiben: ich schätze die Kompromißlosigkeit, mit der Greta Thunberg mit dem Thema ihrer Kampagne umgeht sehr. Sie wird zur Eröffnung der 25. Weltklimakonferenz am kommenden Montag (2.12.) nicht in Madrid angekommen sein, weil deren kurzfristige Verlegung von Südamerika nach Europa ihre Reiseplanung überraschte. Nicht nur für sie kam die Verlegung überraschend, für alle anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch.

Mehr als 20.000 Reisende werden ihre Pläne geändert haben, wenn sie von Anfang an dabei sein wollen. Greta ist zum Thema der Konferenz eine der wichtigsten Stimmen ihrer Generation. Mit Ihrem Fehlen zeigt sie schonungslos auf den Kernpunkt unseres Problems: CO2 Ausstoß verhält sich exponentiell zur Geschwindigkeit in der Gesellschaft. Tausende Menschen aus aller Welt buchen kurzfristig um und fliegen an diesem Wochenende zur Weltklimakonferenz nicht nach Santiago sondern nach Madrid.

Szenenwechsel: große Klima-Demo mit über 20.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Münster. Über 10.000 haben ein eingeschaltetes Android-Handy in der Tasche, das just-in-time individuelle Bewegungsdaten an Google-Server irgendwo auf der Welt überträgt. Aber es ist nicht nur dieses Daten-Grundrauschen von weltweit insgesamt über 3 Milliarden Smartphones, deren Energiehunger nur geschätzt werden kann.

Viel schwerwiegender sind die schnellen Bilder und die kleinen Filmchen alleine am Samstag hunderttausende von den Klimademos rund um die Welt. Individuelle Ausschnitte von Wirklichkeit, die über soziale Netzwerke just-in-time vervielfältigt und millionenfach übertragen werden. Energieintensiv individuell und just-in-time ist wie die Welt heute tickt.

Wenn ihr mich jetzt fragt, was sollen wir denn tun, ist meine Antwort: so wie wir leben, müssen wir bei der CO2 freien Energiegewinnung sehr SCHNELL sehr VIEL BESSER werden.

Autor: Arno Tilsner

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