Von Ruprecht Polenz

Was lange währt, wird endlich gut

Aber was zu lange dauert, wird am Ende gar nichts mehr. Deshalb sollte der Rat in seiner nächsten Sitzung am 9. Februar endlich grünes Licht für den Musik-Campus geben.

Man muss gar nicht 30 Jahre zurückgehen, als die Diskussion über eine städtische Musikhalle begann, die dann 2008 in einem Bürgerbescheid abgelehnt wurde. Es ist auch schon wieder sechs Jahre her, als sich im Sommer 2016 Stadt und Universität in einer gemeinsamen Absichtserklärung an das Land NRW gewandt hatten. Das Anliegen: man will gemeinsam einen Musik-Campus bauen für die Musikhochschule der Universität (bisher beengt am Ludgeri-Kreisel), die städtische Musikschule (bisher beengt an der Himmelreich-Allee) und für das Sinfonieorchester der Stadt Münster, dem angemessene Proberäume fehlen und für dessen Konzerte der große Saal im Theater eher ein Notbehelf ist.

Eine Win-win-Situation für Stadt und Universität, die genannten Probleme auf einen Schlag zu lösen. Die Universität steuert das landeseigene Grundstück hinter dem Schlossgarten an der Hittorfstraße bei. Von den Baukosten in Höhe von 285 Millionen Euro muss die Stadt nur ein Drittel tragen: 70,1 Millionen. Die Konzerthalle mit 1200 Plätzen müßte die Stadt mit 31,6 Millionen mitfinanzieren. Das entspricht ebenfalls nur einem Drittel der Kosten. Zum Vergleich: allein die notwendige Modernisierung der städtischen Musikschule am alten Platz würde über 40 Millionen Euro kosten.

Die genannten Kosten verteilen sich auf mehrere Jahre, denn die Fertigstellung des Musik-Campus ist für 2030 geplant.

Die Entscheidung über den Musik-Campus sagt viel darüber aus, welche Stadt wir sein wollen. Seit dem Stadtjubiläum 1993 hat sich die Stadt keine größere Kulturinvestition mehr zugetraut. Damals wurde die neue Stadtbücherei gebaut und das Stadtmuseum in der Salzstraße. Und das Theater stammt von 1956.

Wie der Breitensport vom Spitzensport profitiert, so profitiert auch die freie, kulturelle Szene von Leuchttürmen mit einer Ausstrahlung über die Stadtgrenzen hinaus. Die im Musik-Campus vorgesehene räumliche Zusammenfassung von staatlicher Musikhochschule, städtischer Musikschule und städtischem Sinfonieorchester bietet bundesweit einzigartige Möglichkeiten der Zusammenarbeit, auch mit der freien Musikszene.

Münster ist eine wachsende Stadt. 2030 werden wir 330.000 Einwohner:innen haben. Auch für die Menschen im Münsterland wäre es wichtig, dass Münster seine Ausstrahlungskraft erhält und mehrt. - Ruprecht Polenz

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