Von Arno Tilsner

Am Freitag bekamen wir Post.

Absender: die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Münster (VVN-BdA) mit einer Stellungnahme zu redaktionellen Inhalten der na dann..., Stichwort 'Impfpflicht'.

Die VVN-BdA Münster erwartet von uns "den Abdruck" ihrer 5.644 Zeichen langen "Stellungnahme an gut sichtbarer Stelle" im Heft.

Sorry, wenn ich VVN-BdA nicht sofort einordnen konnte. Beim ersten Lesen erinnerten mich Ton und Inhalt an Erfahrungen aus den frühen 70er Jahren. Als Mitglied einer JUSO-Hochschulgruppe blieb ich für Vertreter der KPD oder DKP ein Revanchist, der im Sinne einer anzustrebenden Weltrevolution nicht begriffen hatte, wo der Hammer hängt. Ich hätte nicht gedacht, anno 2022 eine derart aufdringliche Annäherung noch einmal zu erleben.

Nun brachte allerdings der Samstag postwendend eine Erklärung: Ulf Poschardt, Chefredakteur der WELT, hatte das Thema VVN-BdA (ungeachtet der Vorgänge in Münster) aufgenommen. Ich las mit Erstaunen, dass es sich laut Verfassungsschutzbericht Bayern (2020) bei der VVN-BdA um "die größte linksextremistisch beeinflusste Organisation im Bereich des Antifaschimus" handelt, die noch vor zwei Jahren für den 23. Parteitag der DKP (28. Februar bis 1. März 2020) ein Grußwort an die "Freundinnen und Freunde der DKP" gerichtet hatte.

Nach über 40 Jahren engagierter, fleißiger Öffentlichkeitsarbeit für Kulturschaffende aller Färbungen und Richtungen in Münster (außer Rechte), wäre ein wenigstens respektvolles Grußwort von Euch das Mindeste gewesen.

Stattdessen tretet Ihr als Gesinnungsschnüffler auf, denen wir uns erklären sollen. Bleibt doch einfach bei der Sache: die Montags-Demos in Münster haben ein Thema. Es geht um eine freie Impfentscheidung im Hinblick auf Atemwegsviren, die nach übereinstimmender wissenschaftlicher Erkenntnis NICHT weggeimpft werden können.

Die Demos würden nicht stattfinden, wenn die Regierungsparteinen nicht 3 Tage nach der Wahl ihr Versprechen (mit uns keine Impfpflicht) gebrochen hätten, das sie 3 Tage vor der Wahl zum Stimmenfang gegeben hatten.

Früher hat der demokratisch aufgeklärte Teil der Gesellschaft so einen Wortbruch kritisiert. Heute klatscht die Mehrheit der Ampelfrauen und -männer zum gelungenen Stimmenfang Beifall und die Antifa sorgt in diesem Fall als langer Arm der Regierung dafür, dass Menschen, die gegen den Wortbruch auf die Straße gehen, rechtsradikal geframed werden.

'Münster, Stadt der Wissenschaft ...' skandiert Ihr. Dann setzt doch bitte die rot-grünen Brillen ab und schaut auf die Plakate, die auf Eurer Gegen-Demo vor dem Rathaus hochgehalten werden: www.cero-covid.org lese ich darauf: das chinesische Modell zur permanenten Überwachung der Zivilgesellschaft. Wenn das Euer Ernst ist, kann die Demo dagegen nicht groß genug werden. - Arno Tilsner

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