Von Ruprecht Polenz

Ob sich die Stadt doch noch...

... zu ihrem Glück zwingen läßt?

Die Rede ist vom Musik-Campus und der Ankündigung der Universität, endgültig auszusteigen, wenn sich der Rat in seiner Sitzung am 18. Mai nicht eindeutig zu dem gemeinsamen Projekt bekennt.

Seit sechs Jahren wird geplant. Im Oktober 2019 (!) hatte der Rat „seinen ausdrücklichen Willen zur Errichtung eines Musik-Campus“ erklärt. Im Haushalt stehen seitdem 45 Millionen Euro.

Das Thema ist längst entscheidungsreif und wird trotzdem immer wieder auf die lange Bank geschoben, dem Lieblingsmöbel der Rathausmehrheit aus Grünen, SPD und Volt, der immer wieder neue Fragen einfallen, die angeblich geklärt sein müßten, ehe man entscheiden könne. Allein 2022 wurde die Ratsentscheidung schon zweimal vertagt.

Dabei sollte dem Rat eine Entscheidung für den Musik-Campus nicht allzu schwer fallen. Stadt und Universität können nur gewinnen. Mehrere Probleme werden gleichzeitig gelöst: Ein Neubau für die Musikhochschule der Universität (bisher beengt am Ludgeri-Kreisel), ein Neubau für die städtische Musikschule (bisher beengt an der Himmelreich-Allee). Außerdem endlich angemessene Proberäume für das Sinfonieorchester der Stadt Münster. Dazu ein Konzertsaal für 1.200 Personen

Die Universität steuert das landeseigene Grundstück hinter dem Schlossgarten an der Hittorfstraße bei. Von den Baukosten in Höhe von 285 Millionen Euro muss die Stadt nur ein Drittel tragen: 70,1 Millionen. Die Konzerthalle mit 1200 Plätzen müßte die Stadt mit 31,6 Millionen mitfinanzieren. Das entspricht ebenfalls nur einem Drittel der Kosten. Zum Vergleich: allein die notwendige Modernisierung der städtischen Musikschule am alten Platz würde über 40 Millionen Euro kosten.

Ja, das ist viel Geld. Aber die genannten Kosten verteilen sich auf acht Jahre, denn die Fertigstellung des Musik-Campus ist für 2030 geplant.

Bisher hat sich nur die CDU-Fraktion eindeutig für den Musik-Campus ausgesprochen. In einem Spitzengespräch wollen Oberbürgermeister Markus Lewe und der Rektor der Universität, Johannes Wessels, deshalb in diesen Tagen einen letzten Versuch unternehmen, um auch die anderen Fraktionsvorsitzenden vom Musik-Campus zu überzeugen, damit der Rat dann endlich im Mai grünes Licht gibt.

Man kann nur die Daumen halten, dass die Ratsmehrheit diese Chance nicht verpasst. Die Universität würde sich sonst beim Land um einen Neubau für die Musikhochschule kümmern. Für die städtische Musikschule gäbe es auf lange Sicht keine Verbesserungen.

Mit der Konzerthalle müßte die Stadt nach dreißig Jahren wieder bei Null anfangen. Die Standort-Diskussion der letzten Jahrzehnte begänne von vorn: Schlossplatz, Hörster Platz oder sonstwo. Die Finanzierung stünde in den Sternen. Die Stadt stünde mit leeren Händen da. – Ruprecht Polenz

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