Von Ruprecht Polenz

Er hat „Ja“ gesagt.

Nach all dem ängstlichen Vertagen hatte man die Hoffnung schon aufgegeben. Ständig hatten Grüne, SPD und Volt nach neuen, bedenklichen Fragen gesucht, die die Verwaltung noch beantworten müsse. Am Ende haben sie sich doch noch berappelt. Zusammen mit der CDU und der FDP haben sie folgenden Grundsatzbeschluss gefasst:

Der Rat spricht sich für die Umsetzung des Musik-Campus als ein gemeinsames Projekt von WWU und Stadt Münster aus.

Der Rat stimmt dem Standort Hittorfstraße / Einsteinstraße für die weitere Planung und Umsetzung des Vorhabens Musik-Campus zu und beschließt, andere potentielle Standorte nicht weiterzuverfolgen.

Ohne die beharrliche Überzeugungsarbeit von Oberbürgermeister Markus Lewe und Uni-Rektor Johannes Wessels, die sich bis zuletzt in Spitzengesprächen mit den Fraktionsvorsitzenden für den Musik-Campus eingesetzt hatten, wäre es nicht zu diesem Beschluss gekommen. Denn nur die CDU-Fraktion stand geschlossen und von Anfang an hinter dem Gemeinschaftsprojekt von Stadt und Universität.

Dabei lagen die Gründe für den Musik-Campus auf der Hand:

Die städtische Musikschule platzt aus allen Nähten und braucht eine neue Unterkunft. Dem städtischen Sinfonieorchester fehlen Proberäume und ein Konzertsaal. Die Universität und das Land brauchen eine neue Musikhochschule.

Allen zusammen und der freien Musikszene fehlt eine gute Spielstätte.

Die Uni stellt für alles ein Grundstück am Schlossgarten zur Verfügung.

Es spricht also alles dafür, dass Stadt und Uni ein gemeinsames Kulturprojekt starten, statt drei getrennte.

Die Kosten sind mit 285 Mio € veranschlagt. Dabei sind Baukosten-Steigerungen bis 2030 bereits einkalkuliert. 70,1 Mio € davon muss die Stadt für ihren Anteil am Gesamtpaket tragen. Der gemeinsam genutzte Kulturbau mit der Konzerthalle kostet 85 Mio €, von denen die Uni 20 Mio über Eigenmittel trägt. Die noch fehlenden 65 Mio € wollen Stadt und Uni durch Drittmittel von öffentlichen Zuschuss-Gebern und privaten Sponsoren einwerben.

Nur wenn bis Ende 2024 der Nachweis erbracht wird, dass diese 65 Mio € zur Verfügung stehen, soll dann der endgültige Baubeschluss gefasst werden.

Natürlich muss man sich darum bemühen, Fördertöpfe der EU, von Bund und Land anzuzapfen. Selbstverständlich sind auch private Spenden willkommen. Aber ist die Konzerthalle tatsächlich etwas, an dem sich die Stadt mit keinem Cent beteiligen sollte?

Den Bau der Stadtbücherei hat der Rat 1993 selbstverständlich als kommunale Aufgabe angesehen und aus Geldern der Stadt finanziert. Gleiches gilt für das Stadtmuseum oder die Großsporthalle in Berg Fidel. Warum sollte bei einer Konzerthalle gelten: ganz geschenkt oder gar nicht? - Ruprecht Polenz

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