Es ist schon erstaunlich: Da sucht die Polizei eine neue Heimstatt,

Es ist schon erstaunlich: Da sucht die Polizei eine neue Heimstatt, will in den Hafen, kriegt vom OB einen vor den Latz ("In den Hafen passt das nicht") - und dann ist Schweigen im Walde. Bis jetzt. Plötzlich wird bekannt, dass das Polizeipräsidium mit Mann und Maus in die Loddenheide zieht. Genau, in dieses nicht sonderlich attraktiv liegende Gewerbegebiet, das sich erst lange nach Vermarktungsstart langsam füllte und bis dahin ein wenig terra incognita war. Lange Zeit klafften zwischen den ersten einzelnen Betrieben große Lücken mit Feld und Flur. Doch inzwischen ist es eng geworden, und das Polizeipräsidium kriegt eine der letzten Flächen, zentimetergenau eingezirkelt zwischen Supermarkt, Blumenhaus und Autovermietung. 16 Standorte habe man zuvor geprüft, das sei der beste. Das nimmt einigermaßen Wunder, denn die Fläche ist in ihrer L-Form nicht so optimal, die Entfernung zum Stadtkern suboptimal und die Polizei muss mehr Geld in die Hand nehmen, weil sie nämlich in Münster-Nord doch noch einen Standort schaffen will (was mit der Hafen-Lösung nach heutigen Kenntnisstand nicht nötig gewesen wäre). Wie konnte die Standortsuche im Verborgenen bleiben, wo in Münster doch eigentlich fast nichts geheim bleibt? Man muss wissen, das Land NRW streitet sich ungern, und schon gar nicht öffentlich. Und so gab es auch keine öffentliche Reaktion von der Bezirksregierung auf die Hafen-Absage per Twitter von der Landespolizei. Und dann hat man sich wohl ins Kämmerlein gesetzt, sich wieder vertragen und ist die Landkarte von Münster durchgegangen. Die Loddenheide ist wohl das, was man einen Kompromiss nennt. Die Stadt wird eine ihrer letzten Flächen dort los, die Polizei muss nicht vollends auf die grüne Wiese - und alle sind irgendwie ein bisschen zufrieden. Und wieder hat sich bewahrheitet: Große Projekte laufen in Münster nur, wenn sie im Stillen geplant werden. Da aber die Fraktionen im Rat die Qualität eines Schweizer Käses haben (überall Löcher), ist das gar nicht so einfach. Bewerberdaten vor Abschluss der Bewerbung ausposaunen? Kein Problem. Infos aus dem Stadtwerke-Aufsichtsrat durchsickern lassen? Immer gerne. Nichts bleibt geheim, vor alle nicht, wenn die Info dem politischen Gegner schadet. Insofern war die lautstarke Stille nach dem OB-Tweet nachvollziehbar. Und sie war produktiv.

Und bevor wir Autoren der Presseausweise allen Leserinnen und Lesern ein geruhsames Weihnachtsfest und einen guten Start ins Neue Jahr wünschen, hier noch eine polizei-nahe Meldung: Roland Vorholt, Pressesprecher des Polizeipräsidiums und damit das "Gesicht" der Behörde, geht in diesen Tagen in den Ruhestand. Verlässlichkeit, Vertraulichkeit trotz nötiger Distanz zu Journalisten, das Große und Ganze im Blick habend - das waren seine Stärken. Mach's gut, Roland!

Autor: Stefan Bergmann

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