Es läuft gerade nicht rund in Münsters Stadtverwaltung

Wie örtliche Medien (RUMS und WN) aufgedeckt haben, ist es mitnichten der weltweite Holzmangel, der den Bau in Münsters Osten ausbremst. Sondern auch ein, nun sagen wir: gewisser Schlendrian bei der Kontrolle der verantwortlichen Planungsbüros. Das Fatale ist: Wundert es wirklich jemanden? Berliner Flughafen, Elb-Philharmonie, Stuttgart 21 - alle teurer, alles langsamer als erwartet.

Das Desaster nahm wohl seinen Lauf, als ganz in Münster-Manier beschlossen wurde: Nein, wir bauen uns doch nicht einfach eine Schule! Wo kämen wir denn dahin. Es muss bitte eine Schule aus Holz sein! Über die High-End-Münster-Standards bei allem und jeden schüttelt sowieso halb NRW den Kopf. Man könnte den Eindruck gewinnen, als hätte die Stadt Geld ohne Ende (und nicht über 1,3 Milliarden Euro Schulden...). Ein Blick in den Hafen, wo der Superbiomarkt geräuschlos und ohne Zeitverzug seine siebenstöckige Zentrale aus Holz baute, versetzte die Lokalpolitik wohl in einen Höhenrausch: Wollen wir auch!

Holz ist knapp, und so lag es nahe, die Bauverzögerung der Schule (Eröffnung erst 2022) darauf zu schieben. Dumm nur, dass verwaltungsintern ein Prüfbericht kursiert, der ganz andere Gründe nennt: Mangelnde Kontrolle der Planungsbüros und Überlastung des Amtes für Immobilienmanagement. Es hat sich also niemand so richtig drum gekümmert, ob am Bau auch alles nach Plan läuft.

In Erinnerung geblieben ist mir ein Bericht des Spiegel aus dem Jahr 2012. Er war überschrieben: "Warum die Politik als Bauherr versagt" . Zitiert wird ein Wirtschaftswissenschaftler, der dafür einleuchtende Gründe findet. Kurz gesagt: Politiker wollen vorher am liebsten niedrig gerechnete Kosten hören. Die Projekte sind oft komplexer als gedacht (Holz!). Es wird schlecht geplant. Man mag keine Generalunternehmer (denn die sagen vorher ehrliche Preise) und: Politiker sind schlechte Manager und Kontrolleure. Vieles verstehen sie nicht. Und wenn sie es verstehen, schieben sie die Verantwortung lieber auf die Stadtverwaltung ab.

Man kann also jetzt den ganzen Ärger auf den Oberbürgermeister oder das Amt für Immobilienmanagement abladen. Man kann aber auch mal fragen: Wofür genau sind die Politiker im Stadtrat zwischen den Wahlen eigentlich da? Warum hat niemand seine Stimme erhoben, warum hat niemand eingegriffen, nachgefragt, den Baudezernenten gepiesackt - und zwar zu einer Zeit, als es noch nicht zu spät war? Offenbar, weil sich niemand mit der unbequemen Wahrheit beschäftigen wollte. Weil das Laisse-faire auf allen Ebenen so ungefährlich ist, denn es wird nicht geahndet. Weil es Steuergeld ist. Das ist ja sowieso da.

Hätte der Superbiomarkt so geplant wie die Stadt und die verantwortlichen privaten Planungsbüros: Chef Michael Radau hätte vermutlich so gewütet, dass vor Schreck die Bio-Tomaten aus den Regalen geflogen wären! - Stefan Bergmann

Autor: Stefan Bergmann

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