In dieser Woche vor 27 Jahren …

… öffnete das Schiff.

Zwischen Krameramtshaus und Kiffe-Pavillon klaffte bis Ende der Achtziger eine Baulücke, die alliierte Bomber hinterlassen hatten. Dort gähnte ein hässlicher Parkplatz mit geflicktem Asphalt.

Zu dieser Zeit platzte Münsters Stadtbücherei im geschichtsreichen Krameramtshaus am Alten Steinweg aus allen Nähten, auch ein architektonisch fragwürdiger Anbau brachte kaum Linderung.

Beim Wettbewerb für einen Neubau auf dem Parkplatz „Asche“ überraschte das Planerteam Julia Bolles-Wilson & Peter Wilson, die von ihrem Loft-Büro in einer alten Fabriketage an der Stelle des heutigen Parkhauses Alter Steinweg auf den Bauplatz schauten, mit einem damals unkonventionellen Beitrag:

Ihr Gebäude sah aus wie ein Schiff, das am Pier ankert. Die Lücke dazwischen schlägt eine Sichtachse auf St. Lamberti. Der Entwurf stieß trotz seiner Modernität bei den Münsteranern überwiegend auf Wohlwollen.

Das Schiff hat festgemacht…

Beim Einzug der Bücherkartons 1993 war diese Schiffsarchitektur noch nicht vielfach kopierte Mode, sodass Münster durch den Vorsprung einen avantgardistischen Aufmerksamkeitspunkt erzielen konnte. Architektonisch steht wie Bücherei ebenso für „das neue Münster“ wie die neue Torminbrücke über den Aasee.

Leider hat die Moderne ihren Preis: Durch die zeitgemäße Bauweise („Subunternehmer vom Subunternehmer des Subunternehmers“) war das Gebäude bereits nach wenigen Jahren ein Sanierungsfall: 2012 wurde im Innenbereich Netze gespannt, damit den Besuchern der Putz nicht auf die Köpfe fällt…

Autor: Carsten Krystofiak

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