In dieser Woche vor 80 Jahren... ...schlug das Karma zurück.

Eine Woche war es her, da saßen Münsters SA-Männer spätabends beim Bier, als sie ein Anruf alarmierte: Der Befehl war so unpräzise wie möglich, aber so deutlich wie nötig - es sollten antijüdische Krawalle durchgeführt werden, aber nicht in Parteiuniform.

Die Aktivisten tobten sich enthemmt aus und fühlten sich dabei ideologisch legitimiert. Die meisten zogen zur Synagoge in der Klosterstraße. Sie „entglasten“ das Gotteshaus, demolierten das Inventar und legten schließlich einen Brand. Die Löschtrupps der Feuerwehr wurden massiv behindert und bedroht.

Instant Karma: Das Schicksal quittierte das Wüten mit tödlicher Sepsis. Also besser nicht nachmachen!

Mittendrin randalierte der Bäckermeister Franz Lampe von der Frauenstraße. Doch in seinem Fall schlug das Karma spontan und hart zurück: Beim Eintreten einer Scheibe bohrte sich eine Glasscherbe durch seinen Stiefel und brachte ihm eine tiefe Schnittverletzung am Fuß bei. Die Wunde entzündete sich.

Eine Woche nach dem Krawall verstarb der Bäcker an einer akuten Blutvergiftung. Es half Lampe weder, dass er zwei Häuser neben dem „Sanitätssturm“ der SA wohnte, noch dass schräg gegenüber ein General-Oberarzt a.D. lebte.

Die Nationalsozialisten spendierten immerhin eine schöne große Traueranzeige und einen feierlichen braunen Leichenzug. Endlich hatte auch Münster einen eigenen „Gefallenen der Bewegung“ als Märtyrer vorzuzeigen.

Autor: Carsten Krystofiak

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