In dieser Woche vor 76 Jahren... ...tagte die Aasee-Konferenz.

Die berüchtigte „Wannseekonferenz“, auf der 1942 die „Endlösung der Judenfrage“ geplant wurde, ist allgemein bekannt. Schon ein Jahr zuvor fand eine Besprechung mit derselben Agenda auf regionaler Ebene im „Gauhaus“ der NSDAP Münster am Aasee statt - gewissermaßen die „Aaseekonferenz“.

Geladen waren hochrangige Vertreter von NS-Partei, Stadtverwaltung, dem Regierungspräsidium am Domplatz, von Polizei und Gestapo, Oberfinanzdirektion, Arbeitsamt sowie der Oberbürgermeister und ein Protokollant. Auf der Tagesordnung stand die Frage, wie man sämtliche Juden Münsters erfasst, verhaftet, an Sammelplätzen zusammenführt, in die Vernichtungslager transportiert und ihr zurückgelassenes Vermögen verwertet.

Die geheime Planungsrunde tagte sehr effektiv und regelte die Zuständigkeiten der einzelnen Dienststellen. Der Vertreter der Gauleitung schwor alle Teilnehmer auf eine reibungslose Zusammenarbeit der beteiligten Behörden ein.

An der Bismarckallee 3-5 fuhren schwere Limousinen vor – für Münsters Juden ein unheilvoller Tag...

Damit war das Schicksal der Münsteraner Juden besiegelt. Die Deportation Richtung Osten begann bereits vier Wochen später. Als Sammelstelle diente das eigens dafür beschlagnahmte Restaurant Gertrudenhof an der Warendorfer Straße. Der federführende NS-Kreisleiter behauptete nach dem Krieg vor Gericht, Münsters Juden wären ins friedliche Schweden ausgewandert...

Autor: Carsten Krystofiak

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