In dieser Woche vor 180 Jahren...

...starb Friedrich Raßmann.

Raßmann kam eigentlich aus Wernigerode. Nach dem Studium in Halle jobbte er ein Jahr als Redakteur von Lokalblättchen in Halberstadt. Doch die Arbeit bei den »Wöchentlichen Neuen Anzeigen vom Nützlichen« und den »Allgemeinen Anzeigen der Merkwürdigkeiten« war wohl nicht so der Brüller.

Mit großen schriftstellerischen Plänen zog er nach Münster, wo er einen Redaktionsposten beim »Münsterschen Merkur« bekam. Die Zeitung ging aber bald pleite, was Raßmann in ständige Geldnöte stürzte. Ein Minijob als Beauftragter für Zensur in Münsters Leihbücherei hielt ihn mehr schlecht als recht über Wasser. (Literatur war König und Kirche damals sehr suspekt und wurde streng zensiert.)

Seinen literarischen Eifer bremste das jedoch nicht. Ständig am Rande des Existenzminimums lebend, haute er ein Werk nach dem anderen raus. Neben der Literaturzeitschrift »Mimigardia« verfasste er rund hundert (!) poetische Taschenbücher, sowie anerkannte Lexika, wie »Raßmanns kurzgefasstes Lexicon deutscher pseudonymer Schriftsteller«.

Sechs Jahre nach Raßmanns Tod malte Spitzweg sein Bild »Der arme Poet« – besser kann man Münsters verarmten Literaten nicht darstellen.

Aber die Münsteraner hatten wenig Interesse an Raßmanns Bemühungen, Münster zu einer Lesestadt zu machen. Die einzigen Bücher, die breite Beachtung fanden, waren das Sparbuch und das Gebetbuch. Mehrere Anläufe Raßmanns, eine Literaturszene zu etablieren und diverse Literaturmagazine auf den Markt zu bringen, scheiterten kläglich. Er endete trotz seines enormen Outputs als tragische Figur.

Hätte Raßmann damals den Poetry-Slam erfunden... So dauerte es noch lange, bis Literatur in Münster viele Freunde fand.

Sechs Jahre nach Raßmanns Tod malte Spitzweg sein Bild »Der arme Poet« – besser kann man Münsters verarmten Literaten nicht darstellen.

Autor: Carsten Krystofiak

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