In dieser Woche vor 3 Jahren...

... wurde die Musikhalle beerdigt...

Schon Mitte der 1990er warb eine private Initiative für den Neubau einer Konzerthalle in Münster. Motor der Kampagne war der bekannte Autohändler Knubel. Doch das Projekt wurde von der Öffentlichkeit weitgehend ignoriert – man hatte eben andere Sorgen.

Nach zehn Jahren des mühsamen Werbens und Sammelns fühlten sich die Musikfans stark genug, das Projekt endlich zu realisieren. Doch die Präsentation der Pläne stieß statt auf Applaus auf erbitterte Ablehnung. Der Bürgerentscheid wurde zum Showdown: Siebzig Prozent der Münsteraner wünschten die Halle zur Hölle!

Was war schiefgelaufen? Es waren weniger die Gegner, als die Befürworter der Musikhalle selbst, die das Projekt versenkten – durch ein PR-Eigentor nach dem anderen:
Zunächst wurde mit Markus Müller ein PR-Manager aus dem fernen Berlin engagiert, der vollmundig versprach: »Ende April ist das Ding gewonnen!« Das kam bei den Münsteranern nicht gut an.

Außerdem war der Zeitpunkt denkbar schlecht: Auf Empfehlung eines externen Gutachtens waren eben erst zwei Schwimmbäder geschlossen worden. Dafür nun eine Konzerthalle?

PR-Manager Müller kann‘s nicht fassen: Der Blick auf die H

Durch die prominenten Fürsprecher in der Presse wurde das gesamte Projekt als elitärer Luxus für »Reiche« wahrgenommen. Sozialneid sells...

Dann verbissen sich die Musikfreunde auch noch in den Hindenburgplatz, den die ortsverbundenen Münsteraner aber nicht rausrücken wollten.

Und schließlich missbrauchte die Pro-Halle-Fraktion auch noch den Rathaus-Klampfer »Onkel Willy« als Werbemodel, obwohl dieser von nix wusste.

Stoff genug für ein Lehrbuch der PR-Negativbeispiele.

PR-Manager Müller kann‘s nicht fassen: Der Blick auf die Hochrechnung lässt den Traum von der Musikhalle zerplatzen. Münster bleibt Provinz.

Autor: Carsten Krystofiak

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