In dieser Woche vor 190 Jahren...

...ließ der Timphot die Aegidiikirche einstürzen.

Der Amtmann Timphot war ein eitler Mensch. Er trug stets einen grünen Gehrock aus Seide, eine weißgepuderte Lockenperücke und einen großen grauen Pumphut. Er liebte es, mit seiner Prachtkutsche durch das Aegidiiviertel zu cruisen. Nur eines nervte ihn dabei: Das ewige Glockengeläut der alten Aegidiikirche, die dort stand, wo heute der Aegidiimarkt ist.

Oft hatte er schon die Nonnen des Aegidiiklosters angeschnauzt, sie sollten gefälligst das Gebimmel bleiben lassen. Ohne Erfolg. Er rächte sich, indem er das Kloster bei seinen Amtsgeschäften finanziell beschiss. Dafür holte ihn nach seinem Tod der Teufel. Strafmaß: Timphot musste ab jetzt ständig im Gebälk des Aegidiikirchturms spuken. Dabei ärgerte ihn das Glockengebimmel noch mehr.

Glocken, Geister und Getöse in Aegidii. Sicher spukt der Timphot auch in Ricks Café. »Seltsam, aber so steht es geschrieben...«

Als die Schwestern den Tag der heiligen Scholastika feierten und zu diesem Anlass wieder mal kräftig die Glocken läuteten, rastete Geister-Timphot aus und fluchte: »Die verdammte Scholastika soll der Teufel holen!« Das war zuviel! Für diese Blasphemie verschluckte ihn die Erde, in der er von nun an rumorte. Die Bewohner des Aegidiiviertels hörten das Wühlen oft in ihren Kellern.

1821 hatte er die Kirche so unterhöhlt, dass sie einstürzte. Dadurch war Timphot wieder frei. Ewige Ruhe fand er trotzdem nicht. Seitdem muss er nachts durch die Lütke Gasse und Königsstraße zur Rothenburg Nr. 44 und wieder zurück schweben, und zwar immer ein Stück über der Erde, weil er den Boden nicht mehr betreten darf, als Strafe dafür, dass er immer in seiner Kutsche herumfuhr, weil er sich zu fein war, zu Fuß zu gehen.
Glocken, Geister und Getöse in Aegidii. Sicher spukt der Timphot auch in Ricks Café. »Seltsam, aber so steht es geschrieben...«

Autor: Carsten Krystofiak

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